Das Mannheimer Erbe der Weltkulturen – Ein Zwischenstand

Im August haben wir erstmals von dem außergewöhnlichen Mannheimer Projekt berichtet, das nach dem Vorbild des UNESCO-Weltkulturerbes alle dort lebenden Kulturen dazu auffordert, ein herausragendes Zeugnis ihrer Kultur zu nominieren – ein Objekt, einen besonderen Ort oder eine Tradition, die in Mannheim lebendig ist. Nun richten wir unseren Blick erneut auf die Quadratestadt und seine multikulturelle Einwohnerschaft, um zu erfahren, wie es aktuell um das Projekt steht.

Zu Gast beim Goethe Institut. Foto: Eveline Winkler
Das Projekt Mannheimer Erbe der Weltkulturen zu Gast beim Goethe-Institut Mannheim. Foto: Evelina Winkler

Das Projekt Mannheimer Erbe der Weltkulturen läuft auf Hochtouren. Mehr als 120 Nationalitäten und Kulturen der Stadt sind von dem kleinen Team aus Kulturschaffenden und Studierenden ausgemacht und angesprochen worden. Viele begeisterte Rückmeldungen im Netz, in den migrantischen Lebensmittelgeschäften, Moscheen, Kulturvereinen, Sprachschulen und bei den Veranstaltungen bei zeitraumexit und im Jugendkulturzentrum FORUM zeigen, dass sich die Idee in Mannheim durchgesetzt hat: Ein eigenes städtisches Erbe der Weltkulturen –Mannheim als weltweit erste Stadt mit 160 Stätten der Weltkulturen!

Im Oktober veranstaltete das Projekt die erste Ausgabe des Heritage Soundsystem, einer Veranstaltungsreihe, bei der Migrant*innen Musik ihrer Herkunftsregion vorspielen und mit den Projektleitern Jan-Philipp Possmann und Matti Kunstek diskutieren. Ein bunt gemischter Haufen Kulturfreunde lauschte bis nachts um eins den Sounds aus Gambia, Schweden oder Japan, bis sich der Abend in eine spontane Tanzsession auflöste.

Zweimal lud das Projekt im Oktober bereits verschiedene Weltregionen zum gemeinsamen Weltkulturen-Café, wo bei Kaffee, Kuchen und Tee die ersten Abstimmungen über eingereichte Vorschläge für die Liste des Mannheimer Erbe der Weltkulturen stattfanden: Der Afro-Shop oder doch lieber das kamerunische Nachbarschaftsprojekt? Die Mannheimer Kurpfalzbrücke, weil sie an die Bosporus-Brücke erinnert, oder doch lieber das Haus, in dem vor 40 Jahren das erste türkische Geschäft der Innenstadt eröffnet hat? Der Schal oder die Kopfbedeckung beim albanischen Brauttanz? Zwei gambische Geflüchtete nominierten ihre Freundschaft als ihren, den gambischen Beitrag zur Kultur der Stadt. Doch inzwischen wurden beide verlegt, weg aus Mannheim und 200 Kilometer voneinander entfernt. So zerbrechlich ist das Mannheimer Kulturerbe manchmal.

Es gibt noch viele Herausforderungen zu meistern, und der Weg bis zur Veröffentlichung der Liste ist noch lang. Wie findet man nicht nur gute Vorschläge, sondern auch Repräsentanten, die die Ideen sammeln und bündeln? Wie versammelt man eine repräsentative Anzahl Migrant*innen aus einer Region zu einem Abstimmungstermin? Und wer wurde vergessen? Das Projekt baut auf die Mithilfe von einer Vielzahl Ehrenamtlicher, die in den migrantischen Vereinen und Gemeinden arbeiten und den Kontakt zu ihren Mitgliedern pflegen. Mehrere Studierende der Ethnologie aus Heidelberg unterstützen die Arbeit des Teams, ebenfalls ehrenamtlich. Ohne den Einsatz wäre ein Vorhaben dieser Größenordnung nicht denkbar.

Am 17. und 18. November war das Projekt zu Gast beim Goethe-Institut Mannheim und eröffnete außerdem sein Projektbüro direkt im Herzen des multikulturellen Mannheims, in den T-Quadraten, zwischen indischen, afrikanischen und arabischen Lebensmittelgeschäften.

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Reger Austausch beim Besuch des Projektes im Mannheimer Gothe-Institut. Foto: Evelina Winkler

Bis Dezember sollen alle 160 Gruppen ihre Vorschläge eingereicht und über sie abgestimmt haben. Die Zeit drängt also.

Nach der Abstimmung geht es in die Vorbereitung der großen Komitee-Show im Ratssaal der Stadt, die für den 20. und 21. Januar angesetzt ist. Es ist eine spielerische Version des jährlich stattfindenden UNESCO-Komitees, eine Art Reenactment, das den Regeln des großen Vorbilds folgt: An zwei Tagen hintereinander werden alle Kulturgüter der Öffentlichkeit präsentiert und von einem eigens eingesetzten Komitee, bestehend aus 21 Mannheimer Bürger*innen, begutachtet und feierlich in die Liste aufgenommen. Die Veranstaltung findet im Beisein des Oberbürgermeisters Peter Kurz und unter der Schirmherrschaft der Deutschen UNESCO-Kommission statt und wird live im Internet übertragen werden.

Ab dem 21. Januar wird die Liste online einsehbar sein, das Projekt hat dann seinen ersten Höhepunkt erreicht. Danach geht es in die Vorbereitung der Abschlussausstellung, die kurz nach dem Europatag im Mai 2017 bei zeitraumexit im Mannheimer Jungbusch und im historischen Zeughaus der Reiss-Engelhorn-Museen im Zentrum der Stadt eröffnet wird. Flankiert wird die Ausstellung durch zahlreiche Stadtführungen und Events in ganz Mannheim.

WIR MACHEN DAS wird das Mannheimer Erbe der Weltkulturen auch weiterhin begleiten.

Foto auf Facebook und Twitter: Charlotte Arens

Aktuelle Informationen zum Projekt auf www.weltkulturenerbe.de.