„Adile mischt sich ein“ und „Zwischenreise“

Vorgestellt werden zwei Romane in einfacher Sprache für Menschen jeden Alters. Die Romane handeln von Flucht und Ankommen, von Zukunftsplänen und Neuentdeckungen.

von Miriam Smidt

Foto: Edition Naundob

Eine neue Sprache zu lernen ist eine Herausforderung, nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene. Und genauso ist es mit dem Lesen und Schreiben, die ersten Schritte sind mühsam und brauchen Zeit. Aber welche Geschichten gibt es für erwachsene Menschen, die gerade erst beginnen auf Deutsch zu lesen, bis es für die Lektüre von Zeitungsartikeln und Romanen reicht? Der Naundob Verlag veröffentlicht Bücher in einfacher Sprache für Erwachsene und Heranwachsende und bietet Menschen, die gerade anfangen zu lesen eine Alternative zu Kinderliteratur. „Adile mischt sich ein“ und „Zwischenreise“ sind zwei der Romane aus dem Verlagsprogramm. Sie erzählen von Spannungen, die sich aus dem Wunsch im neuen Land anzukommen und der Sehnsucht nach (der alten) Heimat ergeben.

Die Autorin Almut Anders erzählt in „Adile mischt sich ein“ die Geschichte von Adile und Samir: Die Geschwister leben in einer Gemeinschaftsunterkunft in Berlin. Sie warten auf ihre Aufenthaltsgenehmigung. Erst wenn sie diese haben, können sie aus dem Heim weg. Sie fühlen sich gefangen, im Heim und in der Situation.

Adile und Samir sind zusammen aus einem Land geflohen, in dem Krieg herrscht. Sie haben ihre Familie zurückgelassen und sich gemeinsam auf eine weite, beschwerliche und beängstigende Reise gemacht. Die Erinnerungen daran sind stets „in ihren Köpfen“, aber es gibt auch vieles was die beiden Geschwister trennt: Adile besucht den Deutschunterricht in der Einrichtung und träumt von einer besseren Zukunft mit ihrer Familie. Sie möchte studieren, einen Beruf finden und die Mutter zu sich holen. Anders ihr Bruder: „Wozu Deutsch lernen – wir sind nicht mehr lange hier“, hofft er. Samir hat großes Heimweh. Er möchte nicht ankommen, sondern nur zurück in seine Heimat. Er vermisst seine Mutter und es fällt ihm schwer, sich seiner Schwester zu öffnen. Samir bringt sich in große Schwierigkeiten, und verschwindet bald spurlos – Adile, die versprochen hat, sich um ihren jüngeren Bruder zu kümmern, macht sich auf eine atemlose Suche in der fremden Stadt.

„Zwischenreise“, geschrieben von Bernd Mittenzwei, handelt von Salim und Dima. Beide kommen aus Syrien und haben sich in einem Lager in der Türkei kennengelernt. Sie sind tief verbunden, durch ihre geteilte Geschichte. „In Deutschland kann man gut leben“ wurde ihnen gesagt. Jetzt leben sie in einer Gemeinschaftsunterkunft in einem Industriegebiet nahe Nürnberg. Die Lage in Syrien zwingt sie in Deutschland zu bleiben. Hier beantragen sie Asyl. „Zum Ankommen gehört aber mehr“. Also lernen die beiden Fahrrad fahren und machen eine Reise. „Sie wollen es kennenlernen, dieses Land. Und so fahren sie los. Mit dem Fahrrad. Zur Zugspitze“.

Edition Naundob möchte als junger Verlag Geschichten verlegen, die vielen Menschen zugänglich sind, auch jenen, die gerade erst Lesen bzw. Deutsch lernen. Die Geschichten spielen dabei in den Lebenswelten jener Menschen, die sie ansprechen wollen. Das entspricht der Überzeugung von Naundob, denn der Verlag möchte „Literatur FÜR, nicht über“ Menschen machen. „Adile mischt sich ein“ und „Zwischenreise“ richten sich an Geflüchtete und erzählen in einfacher Sprache, Geschichten, in denen sich viele Newcomer*innen wiederfinden können. Sie sind damit nicht nur gut geeignet, um im DAF-Unterricht als Lesematerial zu dienen, sondern auch, um die erlebten Geschichten zu teilen und zu verarbeiten.

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