Adopt a Revolution

Werden Sie Revolutionspate und unterstützen Sie den Aufbau der syrischen Zivilgesellschaft. Gemeinsam gegen Diktatur und Islamismus.

von Ines Kappert

Schulfotos Erbin: In Erbin werden die Schulen in Kellerräumen untergebraucht, um die Schüler vor den Einschlägen der Fassbomben zu schützen.Fotoquelle: adopt a revolution
Schulfotos Erbin: In Erbin werden die Schulen in Kellerräumen untergebraucht, um die Schüler vor
den Einschlägen der Fassbomben zu schützen.Fotoquelle: adopt a revolution

Elias Perabo reiste 2011 nach Syrien, traf dort auf AktivistInnen und war begeistert. Der Umsturz ist möglich – wir müssen die Revolutionäre dabei unterstützen! Gemeinsam mit seinem langjährigen Freund und Kollegen Ferdinand Kuiva gründete er den Verein: „Adopt a Revolution“, mit Sitz in Leipzig. Heute setzt sich das syrisch-deutsche Team aus 15 Personen zusammen.

Von Anfang an war klar: Adopt a Revolution redet nicht über das revolutionäre Syrien, sondern der gemeinnützige Verein redet mit syrischen AktivistInnen, um gemeinsam herauszufinden, wie von Deutschland aus der unbewaffnete Kampf für Demokratie und Zivilgesellschaft am besten unterstützt werden kann. Allein diese Herangehensweise ist einzigartig in Deutschland. „Werden Sie Revolutionspate!“ So lautet die Aufforderung. Dabei sollen nicht Menschen, sondern Projekte adoptiert werden.

Seit 2011 wurden knapp 900 000 Euro für Untergrundschulen, Begegnungszentren, Bildungsprojekte, Zeitungen und Netzwerke, insbesondere für Studierende, gesammelt. Nur so könne der Widerstand gegen die syrische Diktatur und gegen die Dschihadisten unterstützt werden und die Zivilgesellschaft in Syrien wachsen – trotz des Krieges. Gleichzeitig helfe der kontinuierliche Dialog gegen das Fremdeln breiter Teile der hiesigen Öffentlichkeit, sich darüber zu informieren, was in Syrien wirklich passiert.

Angesichts der weitgehenden Unkenntnis über die Verhältnisse vorort, erklärte der Verein die Wissensvermittlung zu einem weiteren zentralen Ziel. Mittlerweile ist er zu einer wichtigen Informationsquelle hinsichtlich der von Region zu Region stark variierenden Situation in Syrien sowohl für das Auswärtige Amt als auch für so genannte Leitmedien geworden. Den letzten Coup landete die Gruppe im Herbst 2015 mit einer repräsentativen Umfrage, die erstmalig die Gründe der hier neu Ankommenden für ihre Flucht dokumentierte.

Rund 900 Vertriebene aus Syrien wurden befragt – und damit eine Arbeit geleistet, die politische Institute bislang nicht erbracht haben. Die Bundespressekonferenz lud Adopt Revolution zur Präsentation der Ergebnisse ein, die so Eingang in die nationale wie internationale Berichterstattung von Bild, taz, FAZ bis hin zu Newsweek fanden. Auch Angela Merkel bezog sich auf sie, als sie bei „Anne Will“ zu Gast war.

Die überwältigende Mehrheit gab an, wieder nach Syrien zurückkehren zu wollen. Das aber sei undenkbar, solange das Assad-Regime und seine Verbündeten die Macht ausübten. Entsprechend sei der Grund für ihre Flucht vorrangig das Regime und nicht in erster Linie Daesh (auch Islamischer Staat genannt), sondern die Assad-Diktatur. Dieses Ergebnis konterkariert die international verbreitete Annahme, die Islamisten seien das zentrale Problem und wirft einmal mehr die Frage auf, warum die internationalen Bemühungen sich vor allem auf die Islamisten und nicht auf eine Alternative zur Diktatur konzentrieren.

Das Camp Yarmouk im Süden von Damaskus wurde Anfang 2013 von dem Assad-Regime abgeriegelt. Während der Belagerung spielte der Pianist Aeham Ahmad mit und für die Bevölkerung, um den Alltag erträglicher zu machen. Foto: Aktivist Yarmouk
Das Camp Yarmouk im Süden von Damaskus wurde Anfang 2013 von dem Assad-Regime
abgeriegelt. Während der Belagerung spielte der Pianist Aeham Ahmad mit und für die Bevölkerung,
um den Alltag erträglicher zu machen. Foto: Aktivist Yarmouk

Adopt a Revolution, so Elias Perabo, wird auch 2016 weiterarbeiten. Dass die Situation angesichts von fünf Jahren Krieg immer schwieriger wird, liegt auf der Hand. Aber: „All diejenigen, die ihr Leben riskieren, um inmitten des Grauens,  Orte zu schaffen, an denen an der demokratischen Zukunft Syriens gearbeitet werden kann, verdienen unsere Hilfe. Die Zivilgesellschaft in Syrien versucht mit all ihren Kräften, das Recht zu verteidigen, im Land bleiben zu können. Dafür brauchen sie unsere Unterstützung.