„Akim rennt“

Mit dem Bilderbuch "Akim rennt" legte die Illustratorin Claude K. Dubois bereits vor dem großen Medienhype ein Kinderbuch zum Thema Flucht vor. Ein mehrfach prämiertes Buch, dessen Bilder mehr sagen als tausend Worte.

Cover des Buches Akim rennt von Claude K. Dubois. Foto: Moritz Verlag

Akim spielt mit den anderen Kindern am Fluss, als der Krieg sein Dorf erreicht. Eben schien er noch weit weg, jetzt trifft der Krieg die Menschen unvorbereitet. Wo gerade noch Vögel am Himmel ihre Kreise zogen, sind jetzt Flieger zu sehen. Bald stehen Rauchschwaden über dem Dorf und der Himmel ist nicht mehr zu sehen. Akim ist allein. Alle rennen wild durcheinander. Auch Akim rennt. Er rennt nach Hause, doch dort ist niemand mehr. Seine Familie ist nicht zu finden. Er rennt an der Hand eines Fremden, die er bald wieder loslassen muss, weil der Junge nicht mithalten kann. Akim rennt um sein Leben.
Er versteckt sich, muss sich fremden Menschen anvertrauen, läuft bis zur totalen Erschöpfung, wird von Soldaten gefangen genommen und kann fliehen. Akim rennt wieder und erreicht irgendwann die zerbrechliche Geborgenheit eines Flüchtlingslagers. Am Ende der Geschichte wird der Junge dort von seiner Mutter in die Arme geschlossen. Ob das ein wirkliches Happy End ist, wo der Rest der Familie sich befindet, bleibt auf eine Weise offen, die nichts Gutes erahnen lässt.

Die Erzählung ist schlicht, beinahe nüchtern. Sie vermeidet Ausschmückungen, Interpretationen und Bewertungen und lässt so umso mehr Raum für die eindrucksvollen Illustrationen Claude K. Dubois‘. Erst die Bilder übertragen Stimmungen und Gefühle. Sie zeigen wie verloren Akim ohne seine Familie in der Welt ist, sie zeigen das Elend und die Angst, die Erschöpfung der Menschen um ihn herum. Das Skizzenhafte der Zeichnungen referiert dabei gekonnt auf die Atemlosigkeit der Flucht. In ihrer schemenhaften Einfachheit und Unmittelbarkeit begreifen die Strichzeichnungen auf berührende Weise die Situation des Jungen, machen seine Gefühle greifbar und stellen eine emotionale Dichte her.

Ein atemberaubendes, eindrucksvolles Bilderbuch, das aber sicher nicht unkommentiert stehen gelassen werden kann. Kein Buch, dass noch schnell vor dem Einschlafen vorgelesen wird, sondern eines zum gemeinsamen Betrachten. Es eignet sich wunderbar, um mit Kindern über die Illustrationen, die Stimmungen und Erfahrungen zu sprechen und kann damit vielleicht auch ein besseres Verständnis für die Situation Geflüchteter ermöglichen.

„Akim rennt“ erhielt den Deutschen Jugendliteraturpreis 2014 in der Kategorie Bilderbuch.

Unsere Autorin Miriam Smidt stellt hier regelmäßig Kinderbücher aus dem Themenfeld Flucht und Migration vor – so z.B. „Die Flucht“ von Francesca Sanna.