Die griechische Jugendbewegung APEIRON

Im vergangenen Februar, als mehr und mehr Menschen auf ihrer Flucht in Griechenland ankamen, wurde APEIRON gegründet. Die griechische Jugendbewegung setzt sich für Bürgerrechte, Solidarität und Menschenwürde ein und betrachtet Bildung als ein Gut, das allen Menschen zugänglich sein sollte. Ihr Hauptziel ist es, geflüchteten Kindern Zugang zu Bildung und Kreativität zu ermöglichen.  

von Sevi Sareidaki

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Eine Zeichnung eines geflüchteten Kindes mit persischer Beschriftung. Griechenland 2016. Foto: Apeiron

Apeiron (τὸ ἄπειρον) ist altgriechisch und bedeutet so viel wie „das Unendliche“, „das Unbegrenzte“. Die Initiative definiert sich durch den ununterbrochenen Einsatz für Solidarität und gegen jedwelche Diskriminierung. Für uns ist Solidarität von großer Bedeutung und darf niemals aus dem Blickfeld geraten. Wir glauben daran, dass Werte mit Taten Hand in Hand gehen sollten, und so bemühen wir uns, Menschen zu ermutigen, aktiv zu werden und sich mit den aktuellen Problemen auseinander zu setzen. Es ist wichtig, dass die Gesellschaft  Zusammenarbeit, Mitgefühl und den solidarischen Gedanken befördert.

Irini Gougougianni und ich sind seit 2005 – den Anfängen unserer Studienzeit – Freundinnen. Wir sind in “Frühkindlicher Erziehung” ausgebildet und haben im Februar 2016 gemeinsam APEIRON gegründet. Zueinander gefunden haben wir durch unsere ausgeprägte Liebe zu Kindern. Diese Liebe ist es auch, die zur Gründung von APEIRON führte. So gelang es im letzten Frühjahr, einen jahrelangen Traum zu verwirklichen. Unser Ziel ist, dass allen Kindern Zugang zu Bildung und Kreativität ermöglicht wird. Über Spiele versuchen wir die Kinder zu erreichen und sie zum Lernen zu motivieren. Wir möchten lächelnde und glückliche Gesichter sehen!

APEIRON wurde zu einem Zeitpunkt ins Leben gerufen, als weder Griechenland noch die Führung der EU fähig und willens waren, angemessen mit der erbarmungslosen Lage der Menschen umzugehen, die an den Stränden Griechenlands ankamen. Das APEIRON-Team hat ebenso wie die Menschen, mit denen wir arbeiten – ausnahmslos Freiwillige – vollkommen unterschiedliche Hintergründe und Berufe. Animateure oder Erzieher, die mit Kindern arbeiten, oder Rechtsanwälte und Übersetzer, die sich mit Verwaltungsproblemen beschäftigen. Außerdem stützen wir uns in unserer Arbeit sehr auf Geflüchtete und Einwanderer, die sich bereits in der griechischen Gesellschaft eingegliedert haben und uns dabei helfen, diesen Kindern die kulturelle Integration zu ermöglichen.

Den Anfang unserer Arbeit bildeten Kunst-Workshops für die geflüchteten Kinder, die in den Lagern im Hafen von Piräus lebten. Dann weiteten wir das Projekt auf die Kinder aus, die ihre Zeit im Stadtzentrum von Athen verbrachten (Viktoria-Platz > Zentrum von Athen, ursprünglich hielten sich dort Tausende von Geflüchteten auf, seit Anfang März 2016 von der griechischen Regierung zur „flüchtlingsfreien Zone“ erklärt A.d.Ü.). Unser Ziel ist es, diese Kinder wieder lächeln zu sehen und ihnen das Gefühl zu geben, dass sie hier in Griechenland willkommen sind. Wir möchten dazu beitragen, dass sie optimistisch in die Zukunft blicken.

Zunächst machten wir uns Sorgen, wie die griechische Gesellschaft auf unsere Aktivitäten reagieren würde. Wir wussten nicht, ob wir mit Unterstützung rechnen konnten. Dann allerdings waren wir sehr überrascht, wie viele Leute uns mit Spenden, Einsatz und aktiver Beteiligung halfen. Am Ende jedes Workshops sagten uns all unsere freiwilligen Helfer, dass die Zuneigung der Kinder ihr wertvollster Lohn sei. Wir sind froh, dass wir auf unserem Weg so viele Menschen und Freiwillige sowohl aus Griechenland, als auch aus anderen Ländern und von nicht staatlichen Organisationen kennen gelernt haben. Sie alle glauben an die Bedeutung und Wichtigkeit von Solidarität. Darüber hinaus bot sich die Möglichkeit eine besondere nicht- staatliche Organisation kennen zu lernen. „Metadrasi“ ist eines der größten Bündnisse Griechenlands mit den Schwerpunkten Migration und Entwicklung. „Metadrasi“ hatte bereits ein Betreuungs-Netzwerk für unbegleitete Minderjährige geschaffen. So konnten wir Wissen, Erfahrungen und Ideen zur aktuellen Lage von begleiteten und unbegleiteten Flüchtlingskindern austauschen.

Schätzungen zufolge, kommen etwa 4.000 unbegleitete Kinder jährlich nach Griechenland. Die Mehrzahl dieser Kinder ist nicht von der staatlichen Kinderfürsorge erfasst. Das beweist, wie notwendig Netzwerke für diese Kinder sind. Das Bestreben der Verantwortlichen ist, dafür zu sorgen, dass die Rechte der unbegleiteten Minderjährigen gewahrt werden, sie Zugang zu den Strukturen der Wohlfahrt bekommen, legale, faire Prozesse und ihnen die soziale Integration in die griechische Gesellschaft ermöglicht wird. Man bietet ihnen während der Kindheit eine Form von persönlicher Betreuung, die als Wert den Rest ihres Lebens beeinflussen wird.

Eines unserer Hauptziele für die nähere Zukunft besteht darin, spezielle Erziehungsprogramme anzubieten und zu organisieren. Dabei geht es um die Probleme von Rassismus und Vielfalt. Adressaten sind Lehrer und einheimische Kinder, mit der Absicht, eine gedeihliche Umgebung für alle Kinder zu schaffen, ganz gleich, wo sie herkommen. Das geschieht selbstverständlich unter besonderer Berücksichtigung des Zustroms von geflüchteten Kindern in das öffentliche Erziehungssystem. Weiterhin möchten wir den Kindern eine ganzheitliche und vollständige Integration in das Schulwesen garantieren. Um all das zu erreichen, hoffen wir auf den Beistand von noch mehr neuen freiwilligen Helfern und natürlich darauf, dass es uns gelingt, finanzielle Unterstützer zu mobilisieren.

Abschließend ist es uns sehr wichtig, die Solidarität hervorzuheben, die wir in all den Monaten bei unseren Aktivitäten erfahren haben. Wir haben so viele Leute getroffen und gehört, die bereit sind den Menschen, die uns brauchen, auf jedwede Art zu helfen. Das Zusammenleben der Griechen mit den Neuankömmlingen war sehr inspirierend. Wenn man in den Straßen von Athen herumläuft, gerät man mit ein bisschen Glück in eines der Feste, die die Geflüchteten häufig veranstalten. Dort kann man ihre Musik hören und von ihren traditionellen Speisen kosten. Wir kennen die Zukunft nicht, und ja, die Lage ist tatsächlich schwierig. Aber für uns ist Solidarität beides – die Antwort und die Hauptsache.

Sevi Sareidaki stammt aus Athen und hat dort 2005 an der Nationalen und Kapodistrias-Universität ihren Abschluss im Fach „Frühkindliche Erziehung“ gemacht. 2012 legte sie im französischen Toulouse an der Universität Le Mirail ihre Masterprüfung ab. In den vergangenen sechs Jahren arbeitete sie mit Kindern aus sozial schwachen Schichten. Im Februar 2016 gründete sie gemeinsam mit Irini Gougougianni – ebenfalls eine Vorschul-Erzieherin mit langjähriger Arbeitserfahrung im Bereich sozial schwache Gruppen – die Organisation APEIRON.

Übersetzung aus dem Englischen: Katja Doubek