Baynetna. Between us.

Die neue Bibliothek.

von Ines Kappert

Cover und Brief
Links: Buch-Cover “The Lady from Tel-Aviv” von Rabai Al-Madhoun. Rechts: Brief der ersten Spenderin für Baynetna, Walaa Kharamanda, über ihren Bezug zu diesem Buch.

“Ich heiße Walaa Kahramanda. Als ich nach Deutschland kam, musste ich alle meine Bücher zurücklassen. Inzwischen besitze ich wieder 5 Bücher und möchte euch eines davon schenken. Es ist ein wunderschöner Roman, der von zwei Menschen handelt, einem Palästinenser und einer Israelin, von ihrer Beziehung und dem Schmerz im Exil zu leben. Dem Roman geht es vor allem um die kleinen menschlichen Dinge, trotz des Konflikts. Wir Syrer verstehen heute, was es bedeutet, im Exil zu leben.”
– Walaa Kahramanda, Journalistin und Feministin. Sie veröffentlicht regelmäßig in “Abwab” (Türen), Berlin, April 2016.

Baynetna. Die neue Bibliothek ist Salon und Bibliothek zugleich und möchte die arabische und die europäischen Kulturen für einander öffnen. Von Traditionen und dem alltäglichen Leben mit Familie und Freunden zu erfahren, ist eine wunderbare Möglichkeit, Menschen nicht mehr als “Die Anderen” zu sehen, sondern das Verbindende, das Menschliche zwischen uns zu entdecken.

Über Romane zu sprechen, über Gedichte oder auch Sachbücher, bedeutet immer über das Gegebene und sich selbst hinauszudenken. Denn Bücher versorgen uns ja nie nur mit neuen Informationen, sondern erlauben uns für eine Weile, ein anderes Leben zu haben.

Doch die meisten Menschen, die nun neu nach Deutschland kommen, mussten alles und natürlich auch ihre Lieblingsbücher zurücklassen. Baynetna bietet ihnen die Möglichkeit, sich arabisch, englisch und deutschsprachige Bücher auszuleihen. Wer lieber in der Bibliothek selbst liest, ist dazu herzlich eingeladen. Denn Baynetna soll ein einfach schöner Ort sein, an dem sich gut lesen und bei Tee oder Kaffee entspannen lässt. Am Abend werden Lesungen und Diskussionen stattfinden.

Genauso wichtig ist es, dass alteingesessene Berliner und Berlinerinnen die arabische Literatur  kennenlernen. Dass sie die Möglichkeit bekommen, sich mit Menschen auszutauschen, die mit diesen Büchern aufgewachsen sind und die diese Literatur lieben.

Welche Bücher stehen in Baynetna. Die neue Bibliothek?

Wir fragen berühmte und weniger berühmte BuchlieberhaberInnen aus der arabischen und der europäischen Welt, uns ihr Lieblingsbuch zu schenken (Das ist bereits angelaufen… und das Interesse auch von Seiten arabischer Verlage ist groß). Ihre Erklärung, warum sie dieses Buch lieben und darüber hinaus finden, dass es unbedingt in die Neue Bibliothek gehört, übersetzen wir und kleben sie in die Bücher. Somit wissen alle, die dieses Buch ausleihen, von wem dieses Buch bereits geliebt wird und warum.

Wer kann Bücher ausleihen?

Jeder, der Bücher liebt, unabhängig von seinem oder ihrem Aufenthaltstitel. Die Leihgebühr beträgt zwei Euro für drei Wochen. Gezahlt aber wird ein Pfand von 25 Euro. Bei Rückgabe wird die Differenz zurückgezahlt. Geht ein Buch verloren, kann es auf diese Weise wieder neu angeschafft werden.

Lesungen, Übersetzungsworkshops, Textarbeit

In der Bibliothek werden Lesungen stattfinden. Eine arabischsprachige AutorIn sollte stets von einer deutschsprachigen BuchliebhaberIn vorgestellt werden und umgekehrt.

Wir laden Profis in Sachen Übersetzung, Verlagswesen und Medien zu Workshops ein, um Neuankommenden vom Innenleben des deutschen Buchbetriebs zu berichten und Alteingesessene mit hier unbekannten arabischsprachigen AutorInnen und Literaturen bekannt zu machen.

Wer macht die Bibliothek und wer unterstützt sie?

Baynetna ist ein Projekt von Muhannad Qaiconie und Ines Kappert.

Muhannad Qaiconie hat in Syrien englischsprachige Literatur studiert. Er kam über das Mittelmeer nach Deutschland und lebt hier seit acht Monaten. Im Herbst 2016 wird er sein Studium der Kunst und Geisteswissenschaften voraussichtlich am Bard College, Berlin fortsetzen.

Ines Kappert ist promovierte Literaturwissenschaftlerin, langjährige Redakteurin der taz und leitet heute das Gunda-Werner-Institut für Feminismus und Geschlechterdemokratie der Heinrich-Böll-Stiftung.

Unterstützt wird Baynetna. Between Us. Die neue Bibliothek vom Gunda-Werner-Institut der Heinrich -Böll-Stiftung, dem Aktionsbündnis Wirmachendas und dem “büro für kulturelle angelegenheiten

Team und Partner: Ali Hasan (Musiker), Rabee Azraee (Agrarwissenschaftler), Dana M. Haddad (Architekturstudentin an der TU Berlin), Maher Khwis (Manager des Verlages Khtwat, „Schritte“).

Medienpartner ist Abwab (Doors), die erste arabische Zeitung in Deutschland (65.000 Auflage). Persönliche UnterstützerInnen sind Joumana Seif, Sadik al Azm, Elisabeth Ruge.

Eine Leihbücherei für Neuankommende und Alteingesessene aufzubauen, kann überall funktionieren. Denn egal wo Menschen das neue Zusammenleben beginnen, können Bücher glücklich machen.

Noch sind wir auf der Suche nach einem geeigneten Ort und freuen uns über Hinweise.

Kontakt Ines Kappert

Noch sind wir auf der Suche nach einem geeigneten Ort und freuen uns über Hinweise.
Kontakt: Ines Kappert