Das Refugee Student Scholarship Network

Das Refugee Student Scholarship Network beteiligt sich über individuelle Patenschaften an der Finanzierung von Stipendien, die ein amerikanisch-deutsches Liberal Arts College, das Bard College Berlin, für bis zu zwanzig junge Geflüchtete ausschreiben wird.

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Mohamad Mashgdost, 18, aus dem Iran, trägt gemeinsam mit anderen Farsi sprechenden geflüchteten Jugendlichen eigene Gedichten während des Symposiums ‚Thinking Beyond ‚Crisis'“ vor. Sie bringen kulturelles Kapital mit nach Europa, das erkannt und genutzt werden muss. Berlin 2016. Foto: Tamar Maare/Alexander Beatty

Wollen wir, dass die Menschen, die zu uns kommen, nur Essen und Wohnung und Arbeit bekommen, und ansonsten die Klappe halten? Oder suchen wir das Gespräch mit ihnen, wollen wir von ihnen lernen, wollen wir mit ihnen gemeinsam unsere gemeinsame Welt deuten? Das Refugee Student Scholarship Network fügt sich in die anderen Projekte ein, mit denen WIR MACHEN DAS den Newcomern eine Stimme und Deutungsmacht geben will. Es hilft bei der Finanzierung, vor allem aber der akademischen Betreuung von Stipendien, mit denen Newcomer und noch in Krisengebieten oder noch auf der Flucht befindliche junge Menschen an einem Liberal Arts College in Berlin studieren und einen Bachelor machen können, um bereits in vier Jahren im Kultur- oder Medienbereich eine Rolle zu spielen.

Am Anfang des Projekts stand übrigens Marwan: ein junger Syrer, der nun an einer amerikanischen Eliteuniversität studieren wird, obwohl er gerne in Europa geblieben wäre. Er ist ein Intellektueller, will weder Ingenieur noch Arzt werden, er will einen Beruf, wo er schreiben und analysieren und deuten und in die Gesellschaft hinein wirken kann. An den deutschen Universitäten ist jedoch für jemanden wie ihn noch kein Platz. Zu hohe Sprachhürden, bürokratische Hürden, Hürden der deutschen Wissenschaftstradition machen es den Intellektuellen und geistes- und sozialwissenschaftlich Interessierten unter den Geflüchteten besonders schwer. Marwan kann in die USA ausweichen; viele andere können das nicht. Gerade sie sind in Gefahr, ganz aus dem Bildungssystem heraus zu fallen und in den Niedriglohnsektor zu rutschen.

Das Refugee Student Scholarship Network beteiligt sich über individuelle Patenschaften an der Finanzierung von Stipendien, die ein amerikanisch-deutsches Liberal Arts College, das Bard College Berlin, für bis zu zwanzig junge Geflüchtete ausschreiben wird. Das Bard College ist nicht, wie die deutschen Universitäten, an restriktive Zeugnisanerkennungsbedingungen gebunden, sondern hat volle Flexibilität bei der Auswahl der StipendiatInnen und kann ganz individuell auf ihre Bedürfnisse eingehen. Das Netzwerk hilft mit Kontakten, mit Mentorenschaften, mit akademischem und intellektuellem Input, und mit Veranstaltungen, auf denen in regelmäßigen Abständen die Situation der Geflüchteten gemeinsam reflektiert und besprochen wird.