„Der Tagesspiegel“ – Chor

Anlässlich eines Workshops, in dem neu angekommene Journalist*innen die einzelnen Redaktionen der bekannten Tageszeitung „der Tagesspiegel“ kennen lernen konnten, begrüßte der hauseigene Chor die Kollegen mit einem ungewöhnlichen Konzert. Selbst international besetzt, heißt der Chor die Journalist*innen aus aller Welt willkommen, mit Liedern auf Kurdisch, Deutsch, Englisch, Arabisch und Französisch.

von Hiba Obaid

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Die Mitglieder des Tagesspiegel Chor kommen aus vielen unterschiedlichen Kulturen. Foto: privat/ Tagesspiegel Chor

Der Tagesspiegel dürfte wohl vielen Menschen ein Begriff sein, er ist eine der bekanntesten deutsche Tageszeitung. Was aber wahrschinlich nur sehr wenige Leser wissen: Bereits seit einiger Zeit trifft sich nach getaner Arbeit eine Gruppe der Angestellten, um miteinander zu singen.

Der Tagesspiegel Chor ist heute eine interkulturelle Gemeinschaft, die Sängerinnen und Sänger kommen aus vielen unterschiedlichen Ländern und verschiedensten kulturellen Hintergründen.  Chorleiterin ist die australische Pianistin Kim Eustice. Sie zeichnet für die Zusammenstellung aller Konzertprogramme verantwortlich: ein außerwöhnliches Repertoire von Liedern auf Englsich, Deutsch, Französisch, Arabisch oder Kurdisch.

Die Idee, den Chor des Tagesspiegel zu gründen, entstand auf einer Geburtstagsparty. Der Vorschlag kam von Dorothee Nolte, Redakteurin im Ressort „Politik und Konzepte“.  Dorothee Nolte, selbst Sopran, sagt, dass sie sehr erpicht darauf war, den Chor um orientalische Melodien zu bereichern. Ein Jahr zuvor hatte sie Ajo Amin, einen 39-jährigen syrisch-kurdischen Bass-Sänger auf einem Fest kennen gelernt.  „Wie diskutierten über Musik und ich lud ihn und seine Freunde zu einem der Kultur-Salons ein, die ich zu dieser Zeit organisierte. Nachdem ich ihn auf einer kurdischen Veranstaltung in Berlin hatte singen hören, fragte ich ihn, ob er mit unserem Chor arbeiten wollte.“

In der Folge entwickelten sich kurdische und arabische Lieder zum festen Bestandteil der wöchentlichen Proben. „Es ist wirklich wunderbar, wenn man mit Freunden singen kann“, sagt Nolte. „Ich schätze die Möglichkeit, Teil der außergewöhnlichen Events unserer Zeitung zu sein.“

Selbstverständlich ist durch die Musik eine Bindung zwischen den Redakteuren und den Menschen aus anderen Ländern entstanden. Nolte fügt hinzu: „Ich habe viel über andere Kulturen gelernt und hatte außerdem die Chance meinerseits unsere deutsche Kultur zu präsentieren.“

Ajo Amin sagt, dass es auch für ihn eine wichtige Erfahrung war. „Ich bin wegen meiner Leidenschaft für das Singen zum Chor gestoßen“, sagt er. „In Syrien konnte ich noch keine Chorerfahrung sammeln, das hier ist meine erste.“

Für Ajo Amin sind die regelmäßigen Chorproben ein besonderers Erlebnis: “Was den Chor des Tagesspiegel so besonders macht, ist die Zuneigung, Spontaneität und Freundschaft zwischen den ganzen Sängern. Jedes Mal, wenn wir uns im Verlag in Berlin zu den Proben treffen, singen wir, lachen wir, tauschen wir Geschichten und Neuigkeiten aus. Manchmal treffen wir uns anlässlich von Konzerten oder Kultur-Salons, die meine Freunde organisieren. Das weckt dann echt heimatliche Gefühle.“

 

Hiba Obaid, eine syrisch-palestinensische Autorin, wurde 1990 in Aleppo geboren. Nach ihrem Studium der arabischen Literaturwisschenschaft spezialisierte sie sich weiter auf die arabische Sprache. Während ihrer Aufenthalte in Syrien, Libanon, Türkei und Deutschland schreibt sie für unterschiedliche Magazine und Zeitungen und lektoriert einen Gedichstband. Seit Oktober 2015 lebt sie in Berlin. Hiba ist Mitglied des Tagesspiegel-Chor und Teil der Redaktion von WIR MACHEN DAS.

Ihr Text wurde ins Deutsche Übersetzt von Katja Doubek.