Die Oper singt und spielt: für euch alle!

"Peter und der Wolf" auf Arabisch - beim Kinderfest der Komischen Oper hatte das Publikum Gelegenheit, musikalisch Sprachen zu lernen.  

von Franziska Bischoff

An der Komischen Oper gibt es einige musiktheaterpädagogische Projekte , wie das Peter und der Wolf-Projekt. Foto: Jan  Windszus Photography

Das diesjährige Kinderfest der Berliner Komischen Oper am 3. Oktober 2017 stand unter dem Motto „Die Bremer Stadtmusikanten“. Die neue Kinderoper der aktuellen Spielzeit ist ein Projekt des türkischen Komponisten Attila Kadri Ṣendil, der das bekannte Märchen der Gebrüder Grimm in deutsch-türkischer Zweisprachigkeit auf die Bühne bringt. Doch nicht nur die Zweisprachigkeit in Text und Gesang, auch die Musik des Orchesters, das um traditionelle türkische Instrumente bereichert wird, soll die (inzwischen schon selbstverständliche) Vielfalt und Mehrsprachigkeit unseres Alltags auf künstlerischer Ebene aufnehmen. Und wo bietet sich das besser an als in der Kunstform Oper? Wo Musik, Sprache und Schauspiel in berauschenden Bühnenbildern und Kostümen zu einem Gesamtkunstwerk verschmelzen und das Publikum verzaubern – ganz im Sinne der Gründungsidee der Komischen Oper, die ja nicht komisch in der Bedeutung des Lustigen sein will, sondern im Ursprungssinn der Opéra comique volksnah.

Die Aufführung „Die Bremer Stadtmusikanten“ fand als Höhepunkt des Festes am Abend statt. Doch auch durch das Tagesprogramm des Kinderfestes – ein kunterbunter Konfettiregen verschiedenster Attraktionen von Gesangsworkshops mit dem Opernchor, über Artistikeinlagen und Lesungen bis hin zu kleinen Konzerten – zog sich die nicht nur alltagstypische, sondern letztlich doch: operntypische Mehrsprachigkeit wie ein roter Faden. In Gesangsdarbietungen wurden die Opernlieder in ihrer jeweiligen Originalsprache interpretiert. Und eine weitere Hauptattraktion des Tages bot die Aufführung des musikalischen Märchens „Peter und der Wolf“ von Sergej S. Prokofjew.

Und so sieht sie aus, die neue „Peter und der Wolf“ CD. Foto: Wir machen das

Das Stück, inszeniert in deutscher und arabischer Sprache, ist Kern eines musikalisch-integrativen Sprachlernprojekts der Komischen Oper mit Willkommens- und Regelklassen, das schon in der Spielzeit 2016/2017 gestartet wurde. Über den Zeitraum eines Schuljahres befassen sich die Kinder und ihre Eltern aus den Willkommensklassen von Berliner Grundschulen mit dem Musikstück, um so spielerisch die deutsche Sprache zu lernen und sich mit klassischer Musik und den Themen des Märchens auseinanderzusetzen.

Auf der Bühne sah das so aus: Die beiden Sprecher Christoph Späth und Hussein Al Shatheli trugen die Textpassagen des musikalischen Märchens nacheinander vor. Und so erlebten die Kinder im Saal neben dem Phänomen der „sprechenden“ Musik („die Flöte wie ein Vogel!“, „die Klarinette klingt wie eine schleichende Katze!“) den Klang verschiedener Sprachen im direkten Vergleich. Wo in deutscher Sprache mit allerlei Worten das Heranpirschen von Katze oder Wolf beschrieben wird wiederholte sich im Arabischen die Formulierung شوي شوي (shway shway; etwas ist langsam, nur ein bißchen). Woher ich das weiß? Ich saß mit meinen Kindern neben arabisch-deutsch-bilingual aufwachsenden Geschwistern. Die 10-jährige Schwester erklärte souverän die sprachlichen Besonderheiten des Arabischen und urteilte dann über die Darbietung der beiden Sprecher: „Das war an vielen Stellen gar nicht richtig übersetzt!“. Und ein anderes Kind maulte: „Die Musik ist schön, aber das dauert ja alles so lange, wenn die beide soviel sagen.“ Ja, ein bisschen mehr Geduld wurde mit dieser Art der Inszenierung von den kleinen (und großen) Zuhörer*innen abverlangt. Aber das ist schlichtweg geboten, möchte sich die Komische Oper mit ihrem Programm und diesem Festkonzept doch allen möglichen Gästen, in der heutigen Ausprägung also: einem mehrsprachigen und multikulturellen Publikum nähern. Mit diesem Projekt und der Aufführung ist das gelungen. Eine wunderbare Ergänzung dazu: Es gibt auch eine CD zum Stück „Peter und der Wolf“ zum Mithören und Mitmachen. Sogar mit einer Karaoke-Version der Inszenierung – so können wirklich alle mitmachen, egal in welcher Sprache!

Die mehrsprachige Inszenierung ist Teil des interkulturellen Projekts „Selam Opera!“

Mehr zum Stück gibt es noch hier