Die Chance auf ein selbstbestimmtes Erwachsenenleben

Im Elisabethstift in Berlin Hermsdorf leben jetzt auch unbegleitete Minderjährige aus Kriegsgebieten

von Ivana Leissing

Der Geschäftsfüher und Heimleiter Herr Wegner unterwegs auf dem Gelände des Elisabethstiftes. Berlin 2016; Foto: Teddy Moarbes
Der Geschäftsfüher und Heimleiter Helmut Wegner unterwegs auf dem Gelände des Elisabethstiftes. Berlin 2016. Foto: Teddy Moarbes

Ich lernte Helmut Wegner, Geschäftsführer und Heimleiter des Elisabethstiftes, vor neun Jahren bei einem Spendenabend des Fördervereins kennen und war gleichermaßen tief beeindruckt wie verstört, denn ich hatte bis dahin keine Ahnung gehabt, dass die Not vieler Kinder in Deutschland so groß war. Dennoch wurde dringend benötigtes Geld für Ausbildung und Therapie in Kinderheimen gekürzt, so dass diese auf Spenden angewiesen waren. Helmut Wegner und sein Team schafften es in den letzten Jahren trotz dieser schwierigen Umstände die Elisabethstiftschule zu gründen um den schwer traumatisierten und stark verhaltensauffälligen Kindern eine Chance auf ein selbstbestimmtes Erwachsenenleben zu geben, erweiterten die Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung mit ambulanten, teilstationären und stationären Angeboten auf derzeit 168 Plätze für Kinder und Jugendliche von 0 – 18 Jahren in verschiedensten Wohnformen, zwei Tagesgruppen und einer Mutter-Kind-Gruppe. Zudem entstand ein Familientreff in Wittenau mit gezieltem Elterntraining und ambulanten Beratungs- und Gruppenangeboten, zwei Kitas und die Familienfarm Lübars. Seit Oktober 2015 sind 40 bis 50 minderjährige unbegleitete Flüchtlinge im Elisabethstift aufgenommen. Dort können sie bleiben bis sie volljährig sind, sofern ihre Asylverfahren anerkannt werden. Die meisten dieser Kinder und Jugendlichen kommen direkt aus Kriegsgebieten in Afghanistan, Syrien und Libanon. Sie alle haben den Krieg am eigenen Leib miterlebt, waren im Schnitt neun Monate unterwegs und sind ohne irgendwelchen Besitz im Elisabethstift angekommen. Dort würde man sich freuen, wenn jemand sie besuchte, etwas mit ihnen unternähme, sich um sie kümmerte. Es wird Kleidung gebraucht, Schuhe, aber auch Gesellschaftsspiele, Malzeug und Bücher (am besten auf Arabisch bzw. mit Übersetzungshilfen).
Das Engagement für unbegleitete Kinder aus Flüchtlingsgebieten ist eine zusätzliche große Herausforderung und ich wünsche Herrn Wegener, Schwester Edith und dem unermüdlichen Team des Elisabethstiftes auch weiterhin das erforderliche Durchhaltevermögen um rund um die Uhr für hilfsbedürftige Kinder da zu sein.

Elisabethstift, Berliner Straße 118, 13467 Berlin. Telefon: 030 – 405 070. E-Mail