Thinking Beyond “Crisis” – Symposium in Berlin

Ort: Box Freiraum
Boxhagener Str. 93/96

Date: 17.05.2016 , 14.00-22.00 Uhr

HistorikerInnen, KünstlerInnen und JournalistInnen unterschiedlichster Herkunft werden gemeinsam mit afghanischen Minderjährigen im BOX Freiraum in Berlin-Friedrichshain Redeweisen ausprobieren, die den Krisen- und Notstandsdiskurs in der Debatte um die Ankunft von MigrantInnen in Europa zu überwinden suchen.

Das Symposium wird von WIR MACHEN DAS, dem Bard College Berlin, dem Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF), dem Hannah Arendt Center/Annandale und der BOX gemeinsam veranstaltet.

Program

14:00-14:30: Welcome and introductory remarks

Carolina Mojto, BOX Freiraum & ‘wir machen das’
Kerry Bystrom, Bard College Berlin
Marion Detjen, ZZF & ‘wir machen das’

14:30-16:00: Panel One

Historical and Contemporary Migration in Eastern and Western Europe: Arendtian Perspectives

Patrice Poutrus, Universität Wien
Orwa Nyrabia, film producer
Jeffrey Champlin, Al-Quds Bard College
Moderator: Ewa Atanassow, Bard College Berlin

16:00-16:30: Coffee Break

16:30-18:00: Panel Two

Arendt on Refugees/Arendt as Refugee

Gerhard Casper, American Academy
Roger Berkowitz, Hannah Arendt Center
Annette Vowinckel, ZZF
Moderator: Kerry Bystrom, Bard College Berlin

18:00-18:15: Presentation of the Refugee Student Scholarship Network by Marion Detjen

18:00-19:00: Buffet break

19:00-19:30: Poetry reading

Ghani Atai, Abdul Baseer, Shazemir Hotaki, Mohamad Mashghdost, Yassir Niksada, Samiullah Rassouli, with an introduction of the poetry program at BOX Freiraum by Susanne Koelbl and Aarash D. Spanta

19:30-20:15: Discussion on the crisis-discourse in the media

Speaking Beyond Crisis Today

Ines Kappert, Heinrich-Böll-Stiftung & ‘wir machen das’
Susanne Koelbl, DER SPIEGEL & BOX Freiraum
Aarash D. Spanta, lawyer, Berlin
Ulrich Wilhelm, Bayerischer Rundfunk
Moderator: Stephan Detjen, Deutschlandradio

20:15: Q & A, followed by a reception

Hier noch mehr Informationen, zu den Ideen, die das Symposium leiten, von Marion Detjen/ZZF und WIR MACHEN DAS:
„Flüchtlingskrise“ ist weithin unhinterfragt der Begriff, auf den das zurückliegende Jahr mit der Ankunft von einer Million Menschen in Deutschland gebracht wird. Sie scheint die Mutter aller Krisen zu sein, nach der Finanzkrise, der Griechenlandkrise, der Ukrainekrise, und sie wird mit ihren Ursachen und Folgen längst nicht mehr nur mit den „Flüchtlingen“ assoziiert – einem uns inzwischen selbst problematisch gewordenen Begriff –, sondern auch mit dem Versagen von Bürokratien und Politik, mit dem Scheitern europäischer Institutionen, mit grundsätzlichen Infragestellungen dessen, was wir sind und was wir eigentlich sein wollen, und der Gefährdung der Demokratie durch radikale rechte und nationalistische Strömungen.

Eine Krise verlangt immer nach Überwindung und Lösung. „Thinking beyond Crisis“ versucht andere Wege, durch Historisierung, vor allem aber auch durch ein Nachzeichnen und Offenlegen von Interpretationen, die unsere Situation deuten, aber über die Krise hinaus weisen. Wir suchen nach Geschichten und Visionen, mit denen Neuankömmlinge und Alteingesessene, Heimatlose und Beheimatete im besten Fall eine gemeinsame kosmopolitische Welt schaffen können, zumindest aber in einen Austausch treten und Verständigung finden. Das Symposium ist akademisch, insofern es forschungsbasierte Ansätze und Gedankengänge vorstellt. Es reflektiert den medialen Krisendiskurs, indem es MedienproduzentInnen und MedienrezipientInnen darüber ins Gespräch bringt. Es bezieht künstlerische Ansätze ein, Fotografie, Film und die Dichtkunst afghanischer Jugendlicher, die ohne ihre Familien nach Deutschland gekommen sind. Diesen Jugendlichen fehlt für eine Teilhabe am Diskurs – noch – die Ausbildung, sie gelten vielen sogar als Inbegriff der „Flüchtlingskrise“; gleichwohl verfügen sie über Sprache und Ausdrucksformen, die ihnen in der oralen Dichttradition Afghanistans überliefert wurden und ihnen ermöglichen, ihren Erlebnissen Sinn zu verleihen und die Krise zu transzendieren. Das Symposium hat weiterhin auch ein bildungspolitisches und bildungspraktisches Ziel: Es ist die Auftaktveranstaltung für ein Netzwerk von AkademikerInnen, Intellektuellen und KünstlerInnen, das für bis zu zwanzig geflüchtete Studierende ein Stipendienprogramm unterstützen wird, damit diese selbst schon in wenigen Jahren ihrerseits zu AkademikerInnen, Intellektuellen und KünsterInnen werden und ihr „Thinking beyond Crisis“ in den Diskurs einbringen können.