FLAX – Foreign Local Artistic Xchange. Mentoring-Programm für geflohene Künstler*innen und Netzwerk für kulturelle Kollaborationen

Im persönlichen Kontakt unterstützen hochrangige ansässige Künstler*innen geflohene Kulturschaffende.

von Rebecca Ellsäßer

Für FLAX symbolisieren die Ballons, dass ihr Netzwerk etwas "transportiert", das nicht als Last, sondern als federleicht, als schwebend empfunden wird - die Kunst nämlich, die Kultur. Der Jugendliche verkauft Luftballons vor der Eyüp-Sultan-Moschee in Istanbul, September 2010. Foto: Jesco Denzel
Für FLAX symbolisieren die Ballons, dass ihr Netzwerk etwas “transportiert”, das nicht als Last, sondern als federleicht, als schwebend empfunden wird – die Kunst nämlich, die Kultur. Der Jugendliche verkauft Luftballons vor der Eyüp-Sultan-Moschee in Istanbul, September 2010. Foto: Jesco Denzel

Wie kann man neuankommenden Künstler*innen praktisch helfen, damit sie ihre Arbeit im Exil fortsetzen können? Wie kann man Brücken bauen und talentierten Geflohenen den Zugang zur Kunst- und Kulturszene hierzulande erleichtern?

Diese Fragen und der Wunsch, den deutschen Kulturbetrieb intensiver mit der Realität der Einwanderungsgesellschaft zu konfrontieren, ließen Lanna Idriss, Bankdirektorin und soziale Unternehmerin (“Gyalpa”), der Malerin Katharina Grosse und dem bildenden Künstler Nasan Tur keine Ruhe. Gemeinsam gründeten sie deswegen Anfang des Jahres ein Netzwerk für kulturelle Kollaborationen: FLAX (Foreign Local Artistic Xchange) möchte Türen öffnen und kooperiert dafür mit zahlreichen Kulturinstitutionen, u.a. der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und ihrer foundationClass, dem Goethe- Institut, der Villa Romana, den Kunst-Werken Berlin, dem ifa, dem Zentrum für Kunst und Urbanistik und der Kunstakademie Düsseldorf, Gyalpa und WIR MACHEN DAS. Neben der Organisation interdisziplinärer und interkultureller Kunstprojekte eröffnet das FLAX-Mentoring-Programm Zugang zu Universitäten, Stipendien, Residencies und unterstützt Newcomer- Künstler*innen individuell mit wichtigen Informationen, Hilfe bei Anträgen und Workshops.

„Wir haben festgestellt, dass das Tandem-Prinzip, also eine 1:1-Betreuung, am besten funktioniert“, erzählt Lanna Idriss. „Man braucht Zeit, um einander kennenzulernen und diese Zeit muss man sich auch geben.“ Als Kind eines aus Homs stammenden Vaters fällt es ihr nicht schwer, Kontakt und Vertrauen zu geflohenen Künstler*innen aufzubauen. Für Idriss sind es besonders die ganz jungen Frauen, die ihr am Herzen liegen. Diese Frauen haben ihre Pubertät in Zeiten des Ausbruchs der Arabischen Revolution erlebt und sind weit weniger von den hierarchischen und patriarchalischen Strukturen des Landes geprägt als oftmals ihre älteren männlichen Kollegen. „Ihre Arbeitsweise fällt durch eine schier unbändige Energie und sehr eigenständige künstlerische Positionen auf“, so Lanna Idriss.

Eine von diesen Frauen und zugleich eine von den insgesamt 64 Künstler*innen aus Syrien, Pakistan, Iran, Somalia und Palästina, mit denen FLAX bisher auf jeweils ganz unterschiedliche Weise gearbeitet hat, ist die Performance-Künstlerin und Malerin Alina Amer. In der Ukraine geboren und in Damaskus aufgewachsen, arbeitete sie zunächst als Architektin. Im letzten Jahr erhielt sie ein Visum für Studierende und zog nach Berlin. Dank der Ausschreibung des FLAX-Newsletters war sie bis Ende Juni in der performativen Installation „Bureaux de Langue“ des brasilianischen Künstlers Paulo Nazareth, kuratiert vom Frankfurter Kunstverein zu Gast im Mousonturm, zu sehen. Alina Amer besetzte den performativen Raum: Einen Raum, der als Büro fungiert, in dem Begegnungen stattfinden. Menschen unterschiedlicher Kulturen versuchen sich auszutauschen, ohne eine gemeinsame Sprache dafür zu haben.

Die Künstlerin Alina Amer während der im Bureau De Langue. Foto: Juliane Kuttner
Die Künstlerin Alina Amer während der performativen Installation „Bureau De Langue”. Juni 2016. Foto: Juliane Kuttner, Copyright: Frankfurter Kunstverein

Intensiv mit hochrangigen Künstler*innen im kleinen Kreis zu arbeiten, dabei niemals zu pauschalisieren, sondern den Einzelfall zu betrachten und vor allem jung und alt, ebenso wie Newcomer mit etablierten Kulturschaffenden aller Nationen zusammenzubringen, dafür steht FLAX – Foreign Local Artistic Xchange. Eine mit zartem Strich gezeichnete blaue Blume ziert das Logo. Die Zartheit täuscht jedoch, denn FLAX steht für Pragmatik, Tatkraft und Optimismus: eine wegweisende Kollaboration, bei der ein zivilgesellschaftliches Pilotprojekt und öffentliche Kulturinstitutionen gemeinsam neuankommenden Künstler*innen helfen und zugleich neue Formate des Austauschs von Fähigkeiten und Wissen fördern.

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