Freimütig und poetisch – geflohene und einheimische Jugendliche erzählen von ihren Sehnsüchten

Im Theater Morgenstern in Berlin-Friedenau sprechen Jugendliche aus Afghanistan, Syrien, Albanien und Deutschland miteinander über ihre Geschichten, ihre Situation, ihre Sehnsüchte.

von Pascale Senn Koch

Am 12. März fand im Theater Morgenstern in Friedenau der erste Gesprächssalon statt. Jugendliche aus Afghanistan, Syrien, Albanien und Deutschland haben dort in einer großen Gesprächsrunde ihre Geschichten, ihre Situation und ihre Sehnsüchte vorgetragen. Friedenau 2016. Foto: Daniel Koch / Theater Morgenstern
Am 12. März fand im Theater Morgenstern in Friedenau der erste Gesprächssalon statt. Jugendliche aus Afghanistan, Syrien, Albanien und Deutschland haben dort in einer großen Gesprächsrunde ihre Geschichten, ihre Situation und ihre Sehnsüchte vorgetragen. Friedenau 2016. Foto: Daniel Koch / Theater Morgenstern

Es war ein sehr bewegender und toller Samstag. Wir hatten vom ersten Moment an ein volles Haus. Das Interesse der Menschen in Friedenau war sehr groß, die Neuangekommenen kennenzulernen. Und es waren tatsächlich einige Bewohner der Unterkunft im Rathaus zum Teil sogar den ganzen Tag über da. Das war schön. Abends spielten zwei afghanische Musiker vor Ort Livemusik, die afghanischen Jugendlichen haben sofort angefangen zu tanzen und konnten die Friedenauer mit ihrer Lebenslust anstecken.

Aufgrund des großen Andrangs haben wir den Gesprächssalon aus dem geplanten kleineren Raum in den Theatersaal verlegt. Beim nächsten Mal würde ich das – glaube ich – nicht mehr so machen. Zumindest nicht mit Jugendlichen. Ein intimerer Rahmen passt einfach besser. Auch würde ich mehr Zeit einplanen oder die Teilnehmerzahl noch verkleinern. Ich hätte gerne von jedem Einzelnen noch mehr gehört, insbesondere von der Lebensfreude und dem ehemals lebendigen Treiben in Aleppo. Davon hat ein syrischer Jugendlicher erzählt. Sein Text war von großer Dichte und Poesie. Unglaublich auch die Geschichte eines afghanischen Jungen. Er erzählte, wie er ganz alleine unterwegs war und zu Fuß von Griechenland bis nach Deutschland gelaufen ist. Die Veranstaltung fand auf Deutsch, Farsi und Arabisch statt.

Der Berliner Autor Florian Werner moderierte den Erzählsalon mit Sensibilität und Bedacht, was eine große Bereicherung war. Nächstes Mal erweitern wir das Gespräch und öffnen es auch für die Zuhörenden. Da wir so viele Geschichten gehört hatten, blieb zu wenig Zeit für Fragen.

Wir möchten dieses Format regelmäßig durchführen, sowohl mit Jugendlichen als auch mit Erwachsenen z.B. direkt aus der Unterkunft im Rathaus, so dass die Friedenauer*innen konkret die Möglichkeit haben, die Menschen und ihre Fähigkeiten kennenzulernen und in einen Austausch zu treten. Wir überlegen ein regelmäßiges Kulturcafé zu etablieren – Hafis’ Salon oder so ähnlich.

Insgesamt war dieser Nachmittag in unserem Theater also ein sehr vielversprechender Anfang. Wir freuen uns auf mehr.