Im Exil lebe ich meine Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zur selben Zeit

Heike Steinweg fotografierte ein Jahr lang Frauen, die in Berlin im Exil leben. Eines der lebensgroßen Porträts ihrer Ausstellung Ich habe mich nicht verabschiedet zeigt Hend. Blickt man in ihr Gesicht und das der anderen porträtierten Frauen und nimmt man sich die Zeit, ihre Zeilen unter den Fotografien und die Texte in den begleitenden Büchern zu lesen, so erfährt man viel – über die Gefühle und Träume der geflüchteten Frauen – und darüber, was wir mit ihnen teilen.  

„Als erstes ist mir in Deutschland aufgefallen, wie stark die deutschen Frauen sind. Das gibt mir Kraft und spornt mich an, genauso zu werden.“

Hend, Ausstellung Ich habe mich nict verabschiedet | Frauen im Exil , 2016 No image is to be published copied duplicated modified or redistributed in whole or part without the prior written permission from Heike Steinweg
Hend 2016. Foto: Heike Steinweg

„Im Exil lebe ich meine Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zur selben Zeit. Meine Vergangenheit zieht mich mit aller Macht zurück und will, dass ich ihre Gefangene bleibe – das macht mir nichts aus, denn es gibt mir ein warmes Gefühl, auch wenn es nicht echt ist. … Ich erinnere mich ständig, wie meine Mutter mich, als wir auf dem Todesboot waren (so werden sie genannt), auf Trab hielt, um am Leben zu bleiben, und mich das Wasser aus dem Boot schöpfen ließ … Nun bin ich also hier … und versuche, die Sehnsucht aus meiner Seele zu schöpfen … versuche, stark zu sein … und hoffe zu leben … zu arbeiten … es zu schaffen … zu lieben.“

Hend, 37 Jahre, Englischlehrerin aus Damaskus, Syrien, seit 2015 in Berlin, arbeitet in der Networking Academy des amerikanischen IT-Unternehmens Cisco Systems.

Die Ausstellung Ich habe mich nicht verabschiedet | FRAUEN IM EXIL ist noch bis zum 15.01.2017 in der Galerie im Tempelhof MUSEUM zu sehen. Eintritt frei! Mehr Infos finden sich unter www.heikesteinweg.de.