International Women*s Day

Am 8. März kamen an vielen Orten Frauen zusammen, um laut ihre Rechte einzufordern. In Berlin Kreuzberg fand die International Women*s Struggle Demo statt. Die folgende Rede wurde von einer der Frauen des Iwspace gehalten.

von Iwspace

2017, Berlin, 8. März, Woman Days, International Womans Space
Foto: Inga Alice Lauenroth

Wir Frauen der Welt sind zusammen gekommen und rufen laut:

„Internationaler Streik!“

Überall auf der Welt sehen wir sexistische Scheiße. In Russland wurde häusliche Gewalt entkriminalisiert. An vielen Orten werden Mädchen gezwungen, zu heiraten und Kinder zu gebären. Wir beobachten einen Aufschwung von Antifeminismus hier und überall. Zur selben Zeit werden Massenabschiebungen von Deutschland aus durchgeführt – und jetzt wollen sie sogar das Recht haben, Telefone von Geflüchteten abzuhören. Abschiebungen sind rassistische Gewalt gegen Frauen.

Aber im Widerstand gibt es Hoffnung. Gerade erst letzten Monat kamen 160.000 Menschen in Barcelona zusammen, um menschenwürdige Behandlung für Geflüchtete zu fordern. Und in Berlin bauen wir weiterhin starke Netzwerke für den Kampf gegen Sexismus und Rassismus auf. Heute kommen wir zusammen, um die Welt zu definieren, in der wir leben wollen!

Wir streiken, um anzuprangern:

Dass der Staat unsere Migration und Bewegung kontrolliert und kriminalisiert – in Deutschland wird jetzt sogar darüber gesprochen, Geflüchteten elektronische Fußfesseln zu verpassen.

Dass staatliche Gewalt durch rassistische und sexistische Polizeigewalt unterstützt wird!

Dass der Kapitalismus unsere informelle und unterbezahlte Arbeit ausbeutet und davon profitiert!

Dass Hausarbeit und Pflegearbeit zu Hause unbezahlt und auf dem Markt unterbezahlt sind!

Dass diese ökonomische Gewalt unsere Verletzlichkeit gegenüber sexualisierter Gewalt – und in extremen Fällen auch Frauenmord – erhöht!

Wir streiken, um unser Recht auf Abtreibung wiederzuerlangen, so dass kein Mensch gezwungen wird Kinder zu gebären.

Wir streiken, weil die Arbeit der Zuwendung und Fürsorge eine Verantwortung der ganzen Gesellschaft sein muss, und nicht unsere Verpflichtung als Frauen.

Wir streiken, weil Frauen of Colour doppelt vom Kapitalismus ausgebeutet werden.

Wir streiken, um Solidaritätsnetzwerke aufzubauen und unsere Arbeit sichtbar zu machen – eine Arbeit die Unterstützungsnetzwerke und Lebensstrategien in Kontexten der Krise schafft.

Und wir wissen, dass wir hier heute nicht alle sind. Wir streiken auch für die, deren Stimmen gewaltsam ausgelöscht wurden:

Abwesend sind die Migrant*innen, die bei dem Versuch, Europa zu erreichen im Mittelmeer ertrunken sind, fast 6000 seit 2016!

Abwesend sind die, die von diesem unmenschlichen Migrationssystem abgeschoben wurden!

Abwesend sind die, die durch unsichere Abtreibungen gestorben sind!

Abwesend sind die, die im Knast sind, weil sie sich gegen einen gewalttätigen Ehemann gewehrt haben!

Abwesend sind die Lesben und Transgender Menschen, die durch Hassverbrechen ermordet wurden!

Abwesend sind die Opfer rassistischer Morde!

Abwesend sind die politischen Gefangenen und die, die verfolgt und ermordet werden, weil sie sich trauen gegen die rassistischen, sexistischen und kapitalistischen Systeme anzugehen! Wie zum Beispiel Berta Caceres in Honduras!

Abwesend sind die, die für “leichte Vergehen” im Knast sind, so dass Überlebensstrategien kriminalisiert werden, während die Verbrechen des Kapitalismus unbestraft bleiben!

Wir organisieren uns, um uns selbst zu verteidigen und auf uns aufzupassen. Weil häusliche Gewalt, Vergewaltigungen in Ehen und Zwangsheirat Verbrechen sind! Entgegen den Versuchen uns einzuschüchtern, verwandeln wir unser individuelles Trauern in gemeinsamen Trost und gemeinsame Wut. Wir organisieren uns selbst!

Wir organisieren uns überall zusammen: zu Hause, auf den Straßen, an Arbeitsplätzen, in Schulen, in unserer Nachbarschaft. Die Stärke unserer Bewegung liegt in den Bindungen, die wir zwischen uns aufbauen. Wir sehen die Frauenbewegungen als eine Alternative zu dem Aufschwung rechtsgerichteter Macht aufkommen. Und wir sehen, dass die neue Gegenreaktion gegenüber Frauen und Feminismus ein Versuch ist, unsere Kraft zu neutralisieren und uns zu spalten. Wir sagen: Nein!

Wir wollen, dass diese Demonstration eine Feier wird, während der wir unsere gemeinsam geteilte Zukunft aufbauen! Weil wir unsere Zeit für uns selbst und füreinander zurück fordern, nicht nur heute, sondern jeden Tag!

(Diese Rede wurde aus einer brasilianischen Version des Aufrufs der argentinischen Bewegung #NiUnaMenos übersetzt und adaptiert. Für mehr Infos hier weiterlesen.)

Einige Eindrücke der International Women*s Struggle Demo von der Fotografin Inga Alice Lauenroth (8. März 2017)

2017, Berlin, 8. März, Woman Days, International Womans Space

2017, Berlin, 8. März, Woman Days, International Womans Space

2017, Berlin, 8. März, Woman Days, International Womans Space

2017, Berlin, 8. März, Woman Days, International Womans Space

2017, Berlin, 8. März, Woman Days, International Womans Space

2017, Berlin, 8. März, Woman Days, International Womans Space

2017, Berlin, 8. März, Woman Days, International Womans Space

2017, Berlin, 8. März, Woman Days, International Womans Space

Mehr Informationen zum International Women Space, ihren Aktionen und ihrem Buch “In unseren eigenen Worten” (2015) findet ihr hier.