Jeden Monat hoffnungsvolle Perspektiven

Ein Kalender, der Mut machen soll - 12 Geschichten des Ankommens sind im Zusammenschluss von Wir zeigen Haltung gemeinsam mit anderen Initiativen entstanden. Eine der Initiator*innen berichtet im Kurzinterview von den Rückschlägen und all dem Hoffnungsvollen, das sie letztes Jahr erlebt haben.

Den Kalender für 2018 kann man noch erwerben. Foto: Verein „Wir zeigen Haltung“

„Wir wollen die gesellschaftliche Stimmung nicht den Angstmachern überlassen“ – das ist die Idee hinter der Initiative Wir zeigen Haltung, die aus einem Zusammenschluss vieler Aktiver gegründet wurde. WIR MACHEN DAS hat im Kurzinterview mehr über ihr jüngstes Projekt erfahren – ein Kalender mit 12 Geschichten des Ankommens. Die Fragen beantwortete Hendrikje Blandow-Schlegel, Vorsitzende des Vereins Flüchtlingshilfe Harvesthude e.V. und Mitinitiatorin von Wir zeigen Haltung.

 

WIR MACHEN DAS: Wie ist die Idee des Kalenders entstanden?

Hendrikje Blandow-Schlegel: Aufgrund der meist negativen Berichterstattung über Migration und Geflüchtete wollten wir zeigen, was alles gut läuft und den Geschichten ein Gesicht geben. Da wir alle „Models“ persönlich kennen, stehen wir hinter jeder Geschichte und deren Glaubwürdigkeit.

 

WIR MACHEN DAS: Gab es während der Arbeit am Kalender Begegnungen, die euch überrascht haben?

Hendrikje Blandow-Schlegel: Für mich war toll zu erleben, dass unser Fotograf, der Grafiker, die Paten, die Familien alle mit Eifer und Konzentration bei der Sache waren. Sie haben das Projekt sehr ernst genommen und trotzdem viel Freude dabei gehabt. Die Fotos haben auch eine Reflektion bei allen ausgelöst, wo stehe ich, welchen Weg gehe ich, was fehlt mir?

 

WIR MACHEN DAS: Was ist die Botschaft eurer Initiative und was motiviert euch zu eurer Arbeit?

Hendrikje Blandow-Schlegel: Die Botschaft ist, dass Integration/Inklusion/Ankommen/Dableiben ein gemeinsamer Weg ist, den wir gehen und wir niemanden, der in großer Not zu uns kommt, allein lassen wollen. Und auch, dass mit der beidseitigen Bereitschaft, sich zu öffnen und – trotz allen auch vorhandenen Schwierigkeiten – es viele Möglichkeiten zur Hilfe und Weiterentwicklung gibt.

Dass die gezeigten Schritte glücklich machen, weil unser Tun einen Sinn bekommt, der sich in sichtbaren Entwicklungen zum Besseren zeigt.

Dass die Hilfe zur Selbsthilfe funktioniert und bei allen Frustrationen ein langer, geduldiger Weg mit einer Entwicklung zum Positiven belohnt wird.

Der Zusammenhalt in unserer Gruppe ist eine enorme Bereicherung in Zeiten, in denen die Diskussion selbst in der eigenen Familie zu Brüchen führt, weil Abschottung und Abrenzung zur Normalität werden.

Und nicht zuletzt, dass wir mit unseren Aktivitäten unser eigenes Umfeld bereichern und Wechselwirkungen entstehen, die wir nicht vermutet hätten.

 

WIR MACHEN DAS: Wie hat eure Initiative Wir zeigen Haltung das letzte Jahr erlebt?

Hendrikje Blandow-Schlegel: Frustriert, beschämt, hilflos angesichts der politischen Entwicklung, angesichts der Lager in Griechenland und Italien, angesichts der Tausenden von Toten im Mittelmeer, so sehr, dass wir im Frühjahr Strafanzeige gestellt haben gegen Merkel und den Innenminister in Deutschland, aber auch gegen alle in Europa, die nichts tun. Das war vor allem ein symbolischer Akt für uns.

Gleichzeitig waren wir aber auch oft erfüllt und beglückt über so viele kleine, gute Schritte vor Ort in Hamburg.

Und dann wieder traurig angesichts der Wahl, der AfD, des Rechtsrucks in allen Parteien. Angesichts des Türkeideals, der Abschiebungen nach Afghanistan. Angesichts der Lager in Libyen.

Ohne die menschliche, zugewandte eigene Umgebung eben auch der Initiative und der Vereine würden wir uns, jeder für sich, doch recht alleine fühlen mit unseren vom Christentum und vom Humanismus geprägten Überzeugungen. Darüber wird mehr zu diskutieren sein: Ist der Humanismus am Ende, angesichts der Herausforderung von globalen Völkerbewegungen? Es gibt genügend Gründe, die zur Flucht führen können und wenn heute alle Märkte grenzenlos sind, warum sollen dann Menschen vor Grenzen halt machen?

 

WIR MACHEN DAS: Was wünscht ihr euch für das kommende Jahr?

Hendrikje Blandow- Schlegel: Rückkehr und Besinnung auf Art 1 des Grundgesetzes, auf die UN Menschenrechtskonvention, ein geeintes Europa mit Übernahme von Verantwortung für unser Handeln überall auf der Welt, auch wenn es aktuell eher danach aussieht, als ob das auf sich warten lässt. Aber wünschen darf man sich das ja 🙂

Ein konstruktives Einwanderungsgesetz, ein stabiles Asylrecht ohne Obergrenze, eine Afrikahilfe, die ihren Namen verdient.

Frieden. Frieden überall auf der Welt.

Ein Kalender der „Flüchtlingshilfe Harvestehude e.V.“, der „Herberge für Menschen auf der Flucht e.V.“ In Zusammenarbeit mit Wir zeigen Haltung. Hier kann man sich ihn ansehen und bestellen.