Lebendiger Kirschberg

Integration und Umweltbildung Hand in Hand

von Theresa Schmidt

Foto: Lebendiger Kirschberg
Foto: Lebendiger Kirschberg

Eine kleine Gemeinde in Nordhessen und eine große Idee: In Lindenstruth entsteht der Lebendige Kirschberg, ein Erlebnispfad durch den Wald und die angrenzenden Kirsch- und Streuobstwiesen, der durch Bildungs- und Begegnungsangebote Integration fördern soll.

Vier Partner arbeiten für dieses Ziel eng zusammen: das Martinsheim, ein Betreuungszentrum für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen, der Obst- und Gartenbauverein Lindenstruth (OGV), der Kindergarten Sternschnuppe und der Landkreis Gießen als Träger der Flüchtlingsunterkünfte in Lindenstruth. Heike Grouls ist Leiterin der Tagesstruktur im Martinsheim und Initiatorin des Projekts. „Unser gemeinsames Ziel ist Bildung für nachhaltige Entwicklung. Aber das Schönste ist, dass durch die Zusammenarbeit ganz natürlich Kontakte zwischen den Menschen entstehen“, erzählt sie. Seit Anfang des Jahres kommen jeden Mittwoch Klienten des Martinsheims, Kitakinder und Bewohner der Flüchtlingsunterkunft zusammen und arbeiten gemeinsam am Erlebnispfad – mit Hacke, Säge und Schaufel. Jeder, wie es ihm möglich ist. Zudem gehen viele Kinder aus der Unterkunft inzwischen in den Kindergarten Sternschnuppe. „So werden auch ihre Eltern ermutigt werden, den Pfad mitzugestalten“, so Grouls, deren Projekt seit November auch eine anteilige LEADER-Förderung von der EU erhält. 800 Meter des Erlebnispfades sind bereits fertig. Beim Auftakt Ende Mai wurden unter anderem der Barfußpfad, die Wald-Relax-Lounge und das Gemeinschafsbeet eröffnet. Die Erklärungsschilder auf dem Pfad sind in Zusammenarbeit von Newcomern und Klienten des Martinsheims entstanden – mit deutscher und arabischer Beschriftung.

Foto: Lebendiger Kirschberg
Foto: Lebendiger Kirschberg

Zusätzlich zu den wöchentlichen Treffen finden regelmäßige Begegnungstage statt. Die Feste und Lehrveranstaltungen stehen unter dem Motto „Raus in die Natur“, sollen alle Beteiligten für Umweltschutz sensibilisieren und die Dorfgemeinschaft festigen. Die gemeinsamen Aktionen reichen dabei vom Brotbacken bis zum Heckenschneiden; beim Kirschfest am 8. Juli wird sich alles ums Thema Kirschen drehen. „Jeder Einzelne kann hier etwas beitragen, wir hatten zum Auftakt sogar einen Specksteinkünstler dabei“, so Heike Grouls, die zusammen mit Manfred Gössl vom OGV die Begegnungstage organisiert.

Foto: Lebendiger Kirschberg
Foto: Lebendiger Kirschberg

Gemeinsam Natur erleben und das mit allen Sinnen – so die Philosophie des Projekts. „Die Arbeit in der Natur hilft auch dabei, Traumata zu verarbeitet“, erzählt Heike Grouls aus Erfahrung. Nicht nur Geflüchtete, auch Klienten aus dem Martinsheim seien durch das Unkrautjäten und Bauen gelöster geworden und ins Gespräch gekommen. Hier gehen Integration und Umweltbildung Hand in Hand.