Meerjungfrauen, traurige Pferde und pizzaliebende Zebras

Mit Trickfilmen Sprache lernen – das ist im Rahmen von Trickmisch möglich. Unsere Autorin berichtet wie das geht und beschreibt welche Filme dabei entstehen.

von Franziska Bischoff

 Juli 2016 Trickmisch zu Gast beim Salon Welcome in Kooperation mit dem Speisekino Z/KU Moabit und der Notunterkunft gegenüberFoto: Tanja Knaus (nomadicArt team)
Trickmisch zu Gast beim Salon Welcome in Kooperation mit dem Speisekino Z/KU Moabit und der Notunterkunft gegenüber im Juli 2016. Foto: Tanja Knaus (nomadicArt team)

Trickmisch ist eine Online-Plattform zum Sprachenlernen, entwickelt von der Filmemacherin Julia Kapelle und der Künstlerin Nadin Reschke. Seit 2015 betreibt Julia Kapelle das Projekt hauptverantwortlich. Sprache wird hier mithilfe von kurzen Trickfilmen vermittelt. Das Besondere: Die Sprachschüler*innen entwickeln, produzieren und sprechen die Filme selbst.

Seit 2014 tourt Trickmisch mit einem mobilen Sprachlabor durch die Willkommensklassen an Berliner Schulen. Ausgestattet mit Tricktischen, Film-Schnittplätzen und sogar einem richtigen Aufnahmestudio können die Schüler*innen in einer Projektwoche ihre filmischen Talente ausprobieren und die sprachlichen Kenntnisse anwenden.

Die Schüler*innen arbeiten dafür in 3er oder 4er Teams zusammen. Sie denken sich eine Geschichte aus und entscheiden, mit welchen Bildern sie diese erzählen möchten. Die selbst gezeichneten Bilder für die Trickfilme werden als Schattensilhouetten ausgeschnitten und mit dem Legetrick-Verfahren in Bewegung gebracht. Die Texte werden als Zwischentexte eingeblendet und zusammen mit den Geräuschen von den Schüler*innen live eingesprochen. Am Ende der Projektwoche ist der Trickfilm fertig. Auf trickmisch.de ist nach über 25 Workshops nun schon ein beachtliches Arsenal an bisher produzierten Trickfilmen zu besichtigen (rund 70 Filme). Neben den Trickfilmen gibt es hier auch ein bildbasiertes „sprechendes“ Wörterbuch mit Bildern und Figuren aus den Filmen.

Trickmisch Workshop an der Friedensburg Oberschule Charlottenburg im Juni 2014. Foto: Nadin Reschke
Trickmisch Workshop an der Friedensburg Oberschule Charlottenburg im Juni 2014. Foto: Nadin Reschke

Julia Kapelle beobachtet, dass die Kinder und Jugendlichen insbesondere beim Einsprechen der Texte immer wieder erstaunlichen Ehrgeiz entwickeln: Sie korrigieren sich untereinander und wiederholen einzelne Sätze so oft, bis wirklich alle im Team mit dem Ergebnis zufrieden sind. Doch Trickmisch unterstützt nicht nur die Auseinandersetzung mit Sprache. Der kreative Prozess der Filmerstellung fordert Teamarbeit. Die Gruppen müssen gemeinsam Ideen entwickeln und Wege zur Umsetzung finden. Die Schüler*innen lernen kreative Techniken und Methoden der Darstellung und machen sich mit dem kreativen Potential des Computers bekannt.

Neben den vielfältigen anwendungsbezogenen Lerneffekten des Konzepts beeindrucken besonders die Ergebnisse – die fertigen Filme. Mit Witz und viel Phantasie werden die kleinen Geschichten erzählt. Es geht um Fische und Meerjungfrauen, um autoritäres Obst in einem Kühlschrank, um traurige Pferde und pizzaliebende Zebras, um Freundschaft, Hilfe, Miteinander, um Liebe und das Leben. Zusammen mit den beinahe poetischen Texten, liebevoll ausgewählten Geräuschen und Melodien entstehen lustige, nachdenklich stimmende, teilweise surreale Geschichten. Der Eifer der Schüler*innen, ihr Spaß am Schaffen ist den Filmen anzusehen und zu hören. Es ist eine Freude, sich auf Trickmisch nach und nach durch die vielen Filme zu klicken.

Filmstill "die Party" Foto: Trickmisch.de
Filmstill “die Party” Foto: Trickmisch.de

Eine spannende Erweiterung des Projekts bildet die Internetseite trickmix.de. In diesem Online-Trickfilmbaukasten wird den Besucher*innen alles Notwendige angeboten, um selbst Geschichten ins Trickfilmformat zu übersetzen. Die Bilder aus dem Scherenschnittarchiv können mit eigenen eingegebenen Texten in Kurzfilmen animiert werden. Auch in den Workshops mit Willkommensklassen wird Trickmix schon erfolgreich angewendet. Aber auch unabhängig von den Workshops kann das Tool genutzt werden. Nicht nur im Sinne des Spracherwerbs: Alle, die sich mal an einem eigenen Trickfilm probieren möchten, können sich hier verwirklichen. Bisher sind so schon um die 1.000 Filme entstanden.

Julia Kapelle hat noch viel vor mit Trickmisch: Die Plattform soll erweitert und zu einer richtigen Online-Sprachschule ausgebaut werden. Dazu gibt es viele Ideen, z.B. ein Tool zum Erlernen des richtigen Satzbaus. Allerdings hängt die Erweiterung der Webseite momentan noch an der Finanzierung. Das Potential von Trickmisch als interaktive Sprachschule liegt im unmittelbaren Austausch: Das Lehrmaterial wird hier von den Schüler*innen für andere Lernende selbst entwickelt und erweitert, in einem sehr charmanten Format, das motiviert und Spaß macht auf mehr.

Weblinks:

www.trickmisch.de

www.trickmix.tv

Alle Neuigkeiten des mobilen Sprachlabors über:

https://www.facebook.com/trickmisch/