Meet ’n Eat – Begegnungscafé für alte und neue Nachbarn

Nach vielen Monaten endlich wieder selber kochen – beim Begegnungscafé Meet 'n Eat wurde dieser Wunsch vieler Newcomer*innen wahr. Inzwischen hat sich die Initiative zu einem Treffpunkt für die ganze Nachbarschaft entwickelt, bei dem nicht nur zusammen gegessen wird, sondern gegenseitiger Austausch und Unterstützung im Vordergrund stehen.

von Veronika Peters

Foto: Judith Döker
Foto: Judith Döker

„Offen für alle! Kommt einfach rein!“, steht auf dem Plakat in der Immanuelkirchstraße in Berlin-Prenzlauer Berg. Wer der Einladung folgt und den schönen Saal der evangelischen Immanuelgemeinde betritt, trifft auf Menschen unterschiedlicher Nationalitäten, intensiv ins Gespräch vertieft und an langen Biertischen sitzend. Einige sind gemeinsam über Papiere gebeugt, andere spielen Karten oder stricken. Es herrscht ein lebendiges Durcheinander der Sprachen, ab und zu kreischt ein Baby, der Geruch von Gewürzen und frischen Kräutern weht verheißungsvoll durch den Raum und aus den Lautsprechern ertönt orientalische Musik. Neue Besucher*innen werden freundlich hinzugebeten und kommen mit denen, die schon öfter da waren, schnell ins Gespräch. Kurz bevor das Essen fertig ist, macht Projektleiterin Juliane Wolf eine kleine Ankündigung: „Heute haben Aisha und Tarik gekocht, es gibt ein Gericht aus Afghanistan: Bademjan Bolanie, gebratene Auberginen mit Quark. Außerdem findet nächste Woche ein Schenk-Flohmarkt statt und wir brauchen nachher Freiwillige für den Abwasch.“ Ein Mann und eine Frau übersetzten die Ankündigungen ins Arabische, Persische und Englische und die Anwesenden klatschen. Dann rollen Aisha und zwei weitere Küchenhelfer Servierwagen mit appetitlich arrangierten Tellern aus der Küche herein: Es wird aufgetischt.

Foto: Judith Döker
Foto: Judith Döker

Was hier stattfindet, ist das Nachbarschaftsprojekt Meet ’n Eat, bei dem Menschen aller Generationen, Neuangekommene und Alteingesessene etwas zusammen gestalten und sichtbar Freude daran haben. Für Projektleiterin Juliane Wolf viel mehr als nur ein „Flüchtlingshilfeprojekt“: „Wir öffnen einen Raum für die, die einander besser kennenlernen wollen. Einfach weil sie jetzt Nachbarn sind und neugierig aufeinander – egal von woher und auf welche Weise es sie in unseren Kiez verschlagen hat“, erklärt Wolf. „Alle sind willkommen. Je größer die Vielfalt, desto besser. Essen hält bekanntlich Leib und Seele zusammen und bei einer gemeinsamen Mahlzeit erfährt man viel über die Kultur des jeweils anderen.“ Beim Meet ’n Eat scheint genau das überraschend unkompliziert zu funktionieren, auch wenn im Vorfeld natürlich jedes Mal einiges an Organisation und Erfindungsgeist nötig ist.

Die Idee zum Projekt wurde Anfang 2016 in der zur Flüchtlingsnotunterkunft umfunktionierten Turnhalle der Grundschule in der nahegelegenen Winsstraße geboren. Eine Turnhalle als Notunterkunft – das hieß neben Enge und fehlender Privatsphäre auch drei Mal täglich für angelieferte Fertigmahlzeiten anstehen, die sich nicht gerade durch kulinarische Raffinesse auszeichneten. Damals gab es weder Küche noch Speiseraum und die Möglichkeit, sich auf kleinen Kochplatten selbst etwas zuzubereiten, verboten Brandschutz und Hygienevorschriften. Man musste ein regelrechtes Genie der Selbstverleugnung sein, wenn man sich nach monatelangem Verzehr von in Alu- oder Plastikschalen serviertem Großküchenessen nicht nach guten, frisch zubereiteten Mahlzeiten sehnte.

„Wir möchten selber kochen“, war zu dieser Zeit ein oft vorgetragener Wunsch seitens der Bewohner*innen. Und: „Wir möchten euch Helfenden gerne danken und euch zum Essen einladen!“ Diese Wünsche nahmen Juliane Wolf sowie einige andere aus dem Unterstützer*innenkreis auf, machten sich auf die Suche nach einem geeigneten Ort für das Vorhaben und wurden bei der Immanuelgemeinde fündig. Am 8. April 2016 war es schließlich soweit und es konnte zum ersten Meet ’n Eat mit Köch*innen aus dem Refugee-Kreis eingeladen werden. Seitdem findet das Begegnungscafé jeden Mittwoch statt, immer abwechselnd mittags oder abends.

Foto: Judith Döker
Foto: Judith Döker

Die Notunterkunft in der Turnhalle ist inzwischen geräumt und die ehemaligen Bewohner*innen haben eigene Möglichkeiten zum Kochen in ihren Unterkünften oder Wohnungen. Trotzdem ist das Meet ’n Eat noch immer ein gefragter Treffpunkt – nicht nur wegen des Essens und nicht nur für Newcomer*innen. Es wird Know-how zu allen möglichen Fragen ausgetauscht, Unterstützung bei Wohnungssuche, Behördengängen oder Arztbesuchen organisiert, man bekommt Tipps für den Einkauf orientalischer Lebensmittel, Fahrräder oder neue Handys werden gesucht und gefunden, nützliche Kontakte geknüpft und vieles mehr. Gelegentlich finden auch Vorträge statt, etwa zu den Themen Ramadan oder Asylrecht. Ein erfahrener Sanitäter aus Syrien organisierte sogar einen Erste-Hilfe-Kurs und auch ein kurzer Film ist über das Projekt entstanden. Diesen Teil des Meet ’n Eat – gegenseitiger Austausch und Unterstützung – würde Juliane Wolf gerne noch weiter ausbauen: „Aktionen wie Berufsberatung für Newcomer, organisierte Deutsch-Tandem-Tische, Kulturveranstaltungen wären toll. Dafür bräuchten wir allerdings noch mehr Leute, die bei der Organisation mithelfen. Wie gesagt: Jeder und jede, der sich bei uns einbringen möchte, ist herzlich willkommen!“

Hier einige Eindrücke von Guido Castagnoli:

Mehr Informationen zum Projekt gibt es auf Facebook oder unter auf der Seite des Begegnungscafés Meet ’n Eat.