Porträt einer syrischen Malerin

Razan Sabbagh bringt mit ihrer von Musik begleiteten Malerei ein Stück Syrien auf deutsche Bühnen. Mit ihrer Kunst findet sie neue Freiheit, Gleichgewicht, Schönheit und damit auch Hoffnung.

von Youmna AlDimashqi

Razan Sabbagh während ihrer Perfomance „Still Alive“ im Kampnagel (Hamburg). Foto: privat
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Der Beginn eines Traumes.

Razan Sabbagh schloß ihr Studium an der Fakultät der Schönen Künste der Universität Damaskus im Jahre 2011 ab und eröffnete dort ein Designstudio. Bald sah sie sich jedoch gezwungen, Syrien in Richtung Saudi-Arabien zu verlassen. Von dort suchte sie nach Wegen, ihren Traum zu verwirklichen, noch ohne zu wissen, ob dies in Deutschland klappen würde. Im April 2013 gelang es ihr schließlich, ein Visa für Deutschland zu bekommen. Dort begann das Leben langsam wieder Razan zuzulächeln – aber nicht von Anfang an. Besonders das erste Jahr war sehr schwer: eine neue Gesellschaft, eine neue Umgebung, eine neue Sprache. Aber auch wenn die deutsche Gesellschaft nicht die war, in der sich Razan ein Leben vorstellen konnte, schien sie doch die perfekte Umgebung, um ihrer Arbeit nachzugehen. Schließlich wurde Deutschland ihre Heimat – ein Ort, der es ihr möglich machte, einen Traum zu leben und eine Existenz zu gründen. Razan widmete sich im ersten Jahr dem Erlernen der deutschen Sprache und begann daraufhin, eine Arbeit zu suchen. Dies gelang ihr mit nicht allzu großen Schwierigkeiten. Bald fing sie in einer Werbeagentur an und nahm wieder an Ausstellungen teil. Sie versuchte, sich ein Leben aufzubauen, in dem die Ästhetik der Kunst und die durchlebten Krisen nebeneinander existieren konnten.

Die Schönheit ist immer noch da, in uns.

Razan hat in Syrien gelebt und gesehen, wie es sich veränderte – und sie sich selbst mit. Sie findet keinen Abstand zu dem, was in Syrien geschah und bis heute geschieht – die Revolution, der Krieg, die Flucht. Und die Frauen mittendrin. So floh Razan in die Live-Malerei, um ihre Botschaft zu verbreiten und kombinierte auf der Bühne Malerei mit Musik. Eine ihrer ersten Vorstellungen in Deutschland trug den Titel „in uns“ und wurde 2014 auf einem Hamburger Spielplatz fünf Tage lang gezeigt. Die Bilder zeigen Momente im Leben syrischer Frauen, die versuchen, das Gleichgewicht zu bewahren, im Angesicht aller Verluste, Schmerzen und der Dunkelheit, die sie umgibt. Sie zeigen die Bemühungen, aus ihrem Inneren heraus schön und stark zu sein. Denn die Schönheit sei immer noch da, in uns. Der Großteil der Einnahmen dieser Vorstellungen ging an Initiativen für syrische Flüchtlinge oder humanitäre Organisationen, die Entwicklungsprojekte in Afrika im Kampf gegen Wasserknappheit unterstützen.

Die Künstlerin ist der wahre Gegenstand ihrer Kunst.

Nach Hamburg folgten Ausstellungen in Deutschland und Europa – Köln, Oslo, Maastricht und Amsterdam. Livemusik begleitete ihre Kunst und bewegte die Menge dazu, ihr und der Geschichte, die sie mit ihren Farben erzählte, zu folgen. Sie spricht immer noch an, was in Syrien passiert ist und weiterhin ständig passiert. Seit Razan Kunst macht, steht bei ihr zudem die Frau im Mittelpunkt – ihre Träume, ihre Krisen, ihre Rechte. Sie lädt Frauen ein, so zu sein, wie sie sein wollen, und sich nicht nach anderen zu richten. Sie sollen sich nicht zu Makeup und Modelinien gezwungen sehen. Razan ermuntert Frauen dazu, natürlich zu sein. In ihrer Erzählung benutzt sie dazu Beauty-Werbung, die sie übermalt. Dazu sagt sie: „Ich kritisiere die Quantität der Werbung, die mit den Gefühlen der Frau spielt und sie dazu drängt, ein Instrument für die Vermarktung von Produkten zu werden. Ich ermuntere sie, sich davon zu befreien.“

In jedem Gemälde findet sich auch ein Teil von Razan selbst. Und ihren Ausdruck, ihre Erfahrungen sieht sie als etwas, das viele Menschen aus Syrien mit ihr teilen. „Ich habe die Themen meiner Bilderreihe ‚The Journey #01‘ aus meinen eigenen Erlebnissen geschöpft. Die Bilder behandeln Themen von Verlust und Zerfall bis hin zu Hoffnung und Leben.“ Sie fügt hinzu: „Ich erlebte Verluste, die sich in meinen Bildern widerspiegeln und ich denke, dass jeder Syrer, ob er sich aufmacht und sein Land verlässt oder ob er sich entscheidet zu bleiben, diese Erfahrungen macht. Nachdem ich in Deutschland ankam, habe ich mich Schritt für Schritt verändert und die Fremde wurde zur Heimat. Ich habe hier gelernt, dass die Heimat der Ort ist, an dem ich mein Leben gestalten, meine Träume verwirklichen kann. Der Ort, den ich in mir trage und als beständig wahrnehme. Heute lebe ich nicht in den Erinnerungen der Vergangenheit, ich habe angefangen ein Gleichgewicht zu finden, in Deutschland. Hier male ich das, was ich in meinem Land nicht malen kann, und drücke mich mit aller Freiheit aus, ohne das ich Fesseln spüre, die mich festhalten.“

 

Die Musiker im Hamburger Kampnagel waren Fattouch Band, SHKOON, Wassim mukdad, Brivan, Rania Badri und Jamila Al Joussef. Foto: Eleonora Cucina

Syrien lebt auch auf der Leinwand.

„Die Geschichte Syriens“ unter dem Titel „still alive“ gehört zu den wichtigsten Vorstellungen Razans in Deutschland. Sie wurde auf einer der wichtigsten Bühnen Hamburgs, im Kampnagel, mit einer Gruppe von Musikern aufgeführt. Razan holt eine über tausend Kilometer entfernte, schöne Stadt mit sanften Lichtern auf die Bühne und gleichzeitig steigen Revolutionsrufe und -hymnen auf, energisch und hoffnungsvoll. Dann zieht eine schwarze Wolke auf und die Musik weicht den Geräuschen des Krieges und der Bomben. Die Szene wird von zwei Farben bestimmt: Rot und Schwarz. Und nachdem der Schmerz jeden Zuschauer der Vorstellung erreicht hat, kehren die fröhlichen Farben und mit ihnen die Hoffnung zurück und die Musik beginnt von Neuem. Razans Live-Malerei ist wie das Tragen einer Kamera bei einer Kriegsdokumentation, nur eben durch das Medium der Kunst. Denn jeder von uns hat seinen eigenen Weg, die Wirklichkeit zu beschreiben und zu vermitteln.

Während einer anderen Aufführung Razans, zuletzt in Köln, malt sie eine Stadt, die ihre Wurzeln über eine Mauer hinweg in die Erde streckt, ein Volk das Erde und Heimat sucht. Im Klang der Musik transportiert sie die Stimmen des Krieges und die Gespräche der Ertrunkenen im Meer. Sie endet schlafend – auf den Wurzeln ihrer Stadt. Denn „auch wenn unsere Stadt zerstört wurde, auch wenn wir ihr fern sind, das Leben breiten wir noch immer von ihren Wurzeln aus.“ „Es war mir nicht möglich, das alles in meinem Land zu malen, denn dort gibt es Fesseln für die Malerei, so wie es sie für  Lyrik und Prosa gibt. Hier kann ich allem freien Lauf lassen und mir meiner Freiheit und Botschaft sicher sein“, sagt Razan und schließt ab: „Ich bin glücklich, etwas für mein Land tun zu können. Jedes Mal wenn ich eine Performance gebe und sehe, wie die Menschen währenddessen mit mir interagieren, spüre ich, dass ich etwas Wichtiges beitrage. Und während all der Vorstellungen und Bilder kann ich die syrische Revolution in die Köpfe der Menschen zurückholen und betonen, dass es eine friedliche Revolution war und kein Terror. Mehr noch glaube ich, dass meine Arbeit nicht nur ein Beruf ist, sondern eine globale Sprache.“ Vielleicht hat Razan einen Teil ihrer Freiheit erlangt, als sie nach Deutschland kam, aber noch immer kämpft sie mit ihrer Kunst für die Freiheit ihres Volkes und damit auch ihre eigene.
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رزان صباغ، سوريا حيّة بالرسم والموسيقى على مسارح ألمانيا.

بداية حلم

تخرجت رزان صباغ من كلية الفنون الجميلة بجامعة دمشق في 2011، وافتتحت مكتباً للتصميم هناك، لكنها اضطرت سريعاً إلى مغادرة سوريا إلى السعودية، ومن هناك بدأت البحث عن سبيل لتتابع ما تحلم به، ولم تكن تعلم أنها ستتمكن من ذلك في ألمانيا. بعد حصولها على الفيزا  في أبريل 2013 بدأت الحياة تبتسم لرزان من جديد، ربما ليس على الفور. كانت السنة الأولى صعبة جداً، مجتمع جديد، بيئة ولغة جديدة، وربما لم يكن المجتمع الألماني المجتمع الذي تتصوّر رزان بأن تعيش فيه لكنه كان البيئة الأمثل لممارسة عملها ومزاولته، ولاحقاً أصبح وطناً، مكان تمكنت فيه أن تبني حلماً وتؤسس حياة.

تفرغت رزان في السنة الأولى لتعلم اللغة إلى أن أتقنتها، وبدأت بعدها رحلة البحث عن عمل ولم يكن ذلك بتلك الصعوبة. بدأت سريعا العمل مع أحد شركات الدعاية والإعلان، وعادت للمشاركة في معارض للرسم. تحاول رزان إعادة خلق الحياة فيها بكل جمالها وصراعاتها وأزماتها معاً.

Razan Sabbagh. Foto: privat

الجمال ما يزال هنا، داخلنا.

عاشت رزان في سوريا، ورأتها تتغير، ورأت نفسها تتغير معها، لا تفصل رزان نفسها عن  ما يدور في سوريا منذ سبع سنوات وحتى اليوم، الثورة فالحرب والنزوح واللجوء. والمرأة وسط كل ذلك. لجأت رزان إلى الرسم الحي لإيصال رسالتها وامتزجت الموسيقى الرسم على المسرح. حمل أول معارضها في ألمانيا اسم „من الداخل“  أقيم المعرض سنة 2014 في أحد ملاعب مدينة هامبورغ، واستمر لمدة خمسة أيام. أظهرت اللوحات لحظات من حياة المرأة السورية التي تحاول الاستمرار والحفاظ على توازنها رغم كل الخسارات والألم والعتم المحيط بها، إلا أنها تناضل لتبقى جميلة، قوية وبهيّة من الداخل، فالجمال لا يزال هنا، داخلنا. يذهب ريع معظم معارض رزان إلى مبادرات تُعنى بشؤون اللاجئين السوريين أو إلى مؤسسات إنسانية تساهم في مشاريع في تنموية في دول تعاني من نقص موارد المياه في أفريقيا.

الفنان هو المادة الحقيقية لفنه

بعد هامبورغ تتابعت معارضها، كولن، أوسلو، ماسترخت وأمستردام، ومدن أخرى في ألمانيا وأوربا. كانت الموسيقى الحيّة المترافقة مع رسمها تجذب الجمهور ليتابعها والقصة التي تحكيها بألوانها. وكأنها تقول أن كل ما حدث لا يزال يحدث، ما زال مستمراً. كانت المرأة دوما هي محور أعمال رزان منذ بدايتها في سوريا وحتى وصولها إلى ألمانيا. أحلامها، صراعاتها، حقوقها وأن تكون ما تريد لا ما يريد الاخرون لها أن تكون، أن تنعتق حتى من التلون بمساحيق التجميل ومسايرة الموضة، تحثها رزان أن تكون طبيعية، فكانت تستخدم إعلانات التجميل بقصها والرسم فوقها، تقول رزان عن ذلك „أنا أنتقد كمية الإعلانات التي تداعب مشاعر المرأة وتحثها على أن تكون أداة لبيع منتجاتهن، وأدعو المرأة للتحرر من ذلك“

ترى رزان أنها هي نفسها كانت مادة خصبة لأي لوحة لها، فهي حالة صادقة لأي إنسان سوري وليس هناك داعٍ للكثير من الخيال وتقول „استلهمت من تجربتي موضوع لوحات معرض الرحلة رقم 1 والذي تراوحت مواضيعه بين الضياع والتشتت إلى الأمل والحياة“  وتضيف „كنت أعيش حالة ضياع انعكست على لوحاتي، وأعتقد أن كل سوري مرّ بذلك في بداية تهجيره أو نزوحه أو حتى اختياره قرار البقاء في سوريا، بعد وصولي إلى ألمانيا تغيرت شيئا فشيئا وبدأت الغربة تصير وطناً. تعلّمت هنا أن الوطن هو المكان الذي أستطيع فيه أن أعيد تصميم حياتي، أحقق أحلامي، هو ما أحمله بداخلي وأشعر معه بالاستقرار، الحاضر الذي أعيشه لا ذكريات الماضي، بدأت أشعر بالتوازن في ألمانيا، هنا أرسم ما لا أتمكن من رسمه في بلدي، وأعبر بكل حرية دون أن أشعر بأن هناك قيوداً تكبلني“

سوريا حيّة أيضاً على الورق

„قصة سوريا“ ضمن فعالية „لا يزال على قيد الحياة“ من أهم العروض التي أقيمت لرزان في ألمانيا، أقيم العرض بمدينة هامبورغ في „كامبناغلل“ „kampnagel“ أحد أهم مسارحها، مع فرق موسيقية سورية. نقلت رزان حياة المدينة الجميلة وأضواءها الخافتة آلاف الكيلومترات إلى المسرح، تعالت أصوات الهتافات والأناشيد الثورية المفعمة بالأمل، ثم ظهرت غمامة سوداء وعلت أصوات الحرب والقصف وغطى المشهد اللونين الأسود والأحمر. وبعدما مسّ الألم كل متابعي العرض، أعادت رسم ألوانٍ فرحة ممزوجة بالأمل، وعادت الموسيقى لتتعالى من جديد. كان رسم رزان الحي كحمل الكاميرا ونقل وثائقيات الحرب، ولكن عبر الفن. فلكل منا طريقته في التفاعل والتعبير وإيصال الحقيقة.

في آخر عروض رزان في مدينة كولن، رسمت المدينة بجذورها الممتدة عبر الحائط إلى الأرض والشعب في بحثه عن الأرض والوطن، متزامناً مع موسيقى نقلت أصوات الحرب ومناجاة الغرقى في البحر، تنهي رزان عرضها نائمة على جذور مدينتها، „فمهما دمرت مدينتنا ومهما ابتعدنا عنها إلا أننا مازلنا نستمد الحياة من جذورها“

تقول رزان „لم أكن لأرسم كل ذلك في بلدي لأن هناك قيوداً على الرسم كما هو الحال على الشعر والكتابة، هنا أستطيع أن أخرج كل شيء وأنا كلّي إيمان بحريتي ورسالتي“ وتنهي رزان حديثها „أشعر بالرضى أني أستطيع أن أقدم شيئاً لقضية بلدي، وكلما أقمت عرضاً ورأيت تفاعل الناس معي خلال العرض وبعده أشعر أني قدمت شيئاً مهماً، ومن خلال العروض واللوحات استطعت أن أعيد ثورة سوريا إلى الأذهان، وأن أؤكد أنها ثورة سلمية وليست إرهابية، يزيد إيماني بأن عملي ليس مجرد مهنة بمقدار ما هو لغة عالمية“. لعل رزان نالت جزءاً من حريتها بقدومها إلى ألمانيا، لكنها ما زالت  تناضل لحريتها بحرية شعبها من خلال فنها.

„يمنى الدمشقي“

Übersetzung aus dem Arabischen von Tobias Sick