Syria Mobile Film Festival

Amer Matar erkannte das Potenzial dieser Aufnahmen und wollte ihnen eine Plattform verschaffen.

von Theresa Schmidt

Berlin 2016. Foto: Amar Matar
Die Filme zeigen den Krieg aber auch das, was man in den Nachrichten nicht sieht. Berlin 2016. Foto: Amar Matar

Vor fünf Jahren wurde der Journalist und Dokumentarfilmer Amer Matar gleich zweimal verhaftet. Er hatte sich bei friedlichen Demonstrationen gegen das Regime in Syrien beteiligt. Damals schaute er sich auf den Handys seiner Mitgefangenen Filmaufnahmen an: Demonstrationen, Angriffe, Menschen, die sich selbst inmitten der Unruhen filmten. Was er sah, lies ihn nicht mehr los.

Mit dem Beginn der friedlichen Revolution in Syrien sind Handyfilme in der gesamten arabischen Welt zum wichtigsten Dokumentationsmedium und zum Ausdruck der Meinungsfreiheit im Kampf gegen die Diktatur geworden. Amer Matar erkannte das Potenzial dieser Aufnahmen und wollte ihnen eine Plattform verschaffen: Er gründete das Syrian Mobile Film Festival, das am 8. und 9. April 2016 nun auch in der BOX.Freiraum in Berlin zu Gast war. „Es ist mir wichtig, den Menschen hier in Berlin das Leben der Syrer zu zeigen, ihren täglichen Kampf, den Tod, der allgegenwärtig ist. Denn das ist der Grund, aus dem so viele nach Deutschland fliehen“, so der 29-Jährige.

Die Filme zeigen den Krieg aber auch das, was man in den Nachrichten nicht sieht: einen Jungen, der bei der Explosion einer Splitterbombe eine Hand und zwei Finger verloren hat und nun seine Tränen nicht mehr wegwischen kann (Clusterd, R.: Hasan Kattan); einen anderen, der seine Heimatstadt Aleppo aus Papier nachbaut – erst in ihrer Zerstörung, dann als strahlende Stadt seiner Hoffnung (The Architect, R.: Mujahid Abu Aljoud); oder Murat, der mit dem Beginn des Krieges sein Bauingenieurstudium abbrach und an der syrisch-türkischen Grenze ein Leben als Bauer anfing, ohne je seine Träume zu verwirklichen (One precious thing, R.: Ayaz Ismail).

Zum ersten Mal fand das Syrian Mobile Film Festival 2014 in Syrien selbst statt. Es bringt professionelle Filmemacher und Amateure zusammen und will die Produktion von kreativen Handyfilmen ohne großes Budget unterstützen. Außerdem werden Fördermittel, Preise und besondere Trainings für die Filmemacher vergeben. Elf Kurzfilme wurden an den Abenden in der BOX.Freiraum gezeigt, auf Arabisch mit englischen Untertiteln und bei freiem Eintritt. Im Anschluss an die Filmvorführungen gab die es Gelegenheit mit einigen Filmemachern über das syrische Kino und die Rolle der Mobiltelefone im heutigen Syrien zu diskutieren.

Zwei Jahre, zehn Städte, 42 Trainees und 35 Screenings – so lautet die stattliche Bilanz des Festivals inzwischen. Berlin war in diesem Jahr der erste internationale Spielort, es folgten Screenings in der Türkei, den USA und Griechenland. Bleibt zu hoffen, dass die Zahlen weiter steigen und noch viele Menschen die Möglichkeit bekommen, diese eindrucksvollen Filme zu anzuschauen.

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