Versteckspiel

Unser Autor hat Fotos der Nachbarschaft seiner Kindheit erhalten, hier ist er aufgewachsen, aber er hat die Bilder nicht wiedererkannt.

von Omar Abo Alfoul

Foto: Symbolbild/ Rafa Espada/ Unsplash

* اللغة العربية تلي الألمانية
* Übersetzung: Aus dem Arabischen von Mirko Vogel

***
Unserer Straße mit zerfetztem Gesicht
Dutzende von Bildern vor meinem inneren Auge.
Die Straße, in der wir verstecken spielten:
Eins, zwei, drei, vier, …
Wer nach dem Zählen die Augen öffnet
wird lange weinen
Keine Strasse wird er finden
Keinen Menschen wird er finden
und kein Mensch wird ihn finden.

Ich suche mein Haus zwischen den Bildern
und finde keine Spur seiner Existenz.
Ich lief an ihm vorbei
ohne es zu erkennen
merke ich dann.
Das Ungeheuer hat unser Haus gefressen
hat meine Kindheit verschlungen
mit einem einzigen Bissen
hat den Ort bis auf die Knochen abgenagt.
Nun ist unser Haus eine entstellte Leiche
ist ein Grab, ist ein Grab, sagt meine Mutter immer wieder.
Das Haus in dem ich siebzehn Jahre lang schlief
ist entschlafen.

Diese Welt ist eng wie ein Grab
In den Spiegel blickend sehe ich mich
zum ersten Mal – nicht
Ich trage Erinnerungen in mir, bei denen nichts
auf den Ort des Geschehens hinweist.
Anscheinend brachen die Mauern über mir zusammen
als ich verstecken spielte.
Und niemand fand mich.

 

—-
“غُمَّيضَة”

تصلني عشرات الصور
من شارعنا، مدمّر الوجه
الشارع الذي كنا نلعب عنده الغُمَّيضَة
واحد اثنان ثلاثة أربعة…
الذي سيفتح عينيه بعد العد
سيبكي طويلًا
لن يعثر على الشارع أبدًا
لن يعثر على أحد سواه
ولن يعثر عليه أحد

أبحث عن بيتي بين الصور
ولا أجد دليلًا واحدًا على وجوده
ثم أدرك بأنني مررت عليه
ولم أعرفه
لقد أكل الوحش بيتنا
أكل الوحش طفولتي بلقمة واحدة
بعد أن نهش لحم المكان
أصبح بيتنا جثّة بلا معالم
تردّد أمي : إنه مقبرة ، إنه مقبرة
البيت الذي نمت به سبعة عشر عاماً
نام إلى الأبد

هذا العالم ضيّق كقبر
أقف أمام المرآة
وللمرّة الأولى، لا أجدني
أملك ذكريات لا تملك دليلاً واحداً
من مكان حدوثها
يبدو أن الجدران قد سقطت علي
حين كنت ألعب الغُمَّيضَة
ولم يعثر علي أحد.

عمر أبو الفول

Omar Abo Alfoul, 1995 in Damaskus geboren, ist ein syrisch-palästinensischer Autor und Lyriker. Er studierte Philosophie an der Universität von Damaskus bevor er aus Syrien flüchtete. Heute lebt und arbeitet er in Berlin und schreibt für mehrere arabische Magazine und Websiten.

Foto: Privat