Weiter Schreiben: Ein neues Pilotprojekt von WIR MACHEN DAS

Wir freuen uns sehr! Heute geht Weiter Schreiben – ein literarisches Portal für Autor*innen aus Krisengebieten“ online!

von Ines Kappert und Annika Reich

Der Poet Ramy AL Asheq und seine Partnerin, die Schriftstellerin Monika Rinck bei der Arbeit. Berlin 2017. Foto: Juliette Moarbes
Der Poet Ramy AL Asheq und seine Partnerin, die Schriftstellerin Monika Rinck bei der Arbeit. Berlin 2017. Foto: Juliette Moarbes

Wir haben mit vielen Autor*innen aus Krisengebieten gesprochen und sie gefragt, was sie sich wünschen. Die Antwort, die wir am häufigsten gehört haben, war: „Weiter Schreiben.“ Weiter schreiben zu können heißt aber auch, weiter gelesen zu werden. Denn das Schreiben und das Gelesenwerden gehören zusammen. Man schreibt nicht für sich, man schreibt aus sich heraus.

Für Autor*innen ist es elementar, dass der Prozess des Schreibens nicht abbricht. Schreiben ist nicht nur eine Kunst, es ist auch eine Lebensform, eine Art, die Welt wahrzunehmen, sich auf sie einen Reim zu machen und sich darüber mit ihr in Beziehung zu setzen.

Das gilt für Autor*innen aus Krisengebieten in besonderem Maße. Für sie ist der Schreibprozess durch die politische Situation nicht nur unterbrochen, sondern manchmal sogar lebensgefährlich. Mussten die Künstler*innen ihr Land oder ihre Region verlassen, bricht ihnen zudem der eigene Sprachraum weg.

Das Projekt Weiter Schreiben verbindet deshalb ein künstlerisches und ein politisches Anliegen. Wir publizieren Autor*innen, die radikal neu anfangen müssen, mit literarischen Kurzformen: Gedichte, Kurzgeschichten, literarische Essays in der Originalsprache und in deutscher Übersetzung. Sie bereichern unsere Vorstellungswelten, vertiefen den transkulturellen Dialog und durchkreuzen Stereotype und Lesegewohnheiten. So zeigen feministische Perspektiven eine weniger beachtete Auseinandersetzung mit Krieg und Alltag etwa in Syrien und dem sogenannten Nahen Osten. Roma- und Sinti-Autor*innen bringen sich literarisch zu Gehör und brechen mit rassifizierenden Stereotypen über die größte Minderheit in Europa.

Wer sein Land abrupt verlassen muss, der verliert oft große Teile seiner Netzwerke. Wer fortwährend diskriminiert wird, hat es schwer, in die Öffentlichkeit zu gehen. Umso wichtiger ist es, neue und andere Netzwerke zu gewinnen, die einen Zugang zu einem unbekannten Literatur- und Medienbetrieb ermöglichen. Daran arbeiten die Autor*innenteams, zu denen zahlreiche bekannte deutschsprachige Autor*innen gehören, die zum Teil selbst aus Kriegs- und Krisengebieten stammen und die Erfahrung eines radikalen Umbruchs und Neuanfangs teilen. Gemeinsam feilen sie an den literarischen Texten und Übersetzungen und tauschen sich über den Literaturbetrieb und ästhetische Entscheidungen aus, damit aus Weiter Schreiben mehr entstehen kann. Fest steht schon jetzt: 2018 erscheint eine Anthologie ausgewählter Texte von Weiter Schreiben im Blumenbar-Verlag.

Zu den ersten literarischen Teams gehören Souad Alkhateeb und Antje Rávic Strubel, Galal Alahmadi und Tanja Dückers, Lina Atfah und Nino Haratischwili sowie Ramy Al-Asheq und Monika Rinck.

In Kooperation mit literarischen Institutionen wie dem Literarischen Colloquium Berlin, dem Berliner Haus der Poesie, dem Secession Verlag für Literatur sowie Buchhandlungen und Bibliotheken aus unserem -Netzwerk werden wir bundesweit Lesungen veranstalten.

Zum Auftakt von Weiter Schreiben findet am 18. Mai 2017 um 19.30 Uhr eine Lesung mit syrischen Autor*innen in der arabischen Bibliothek Baynetna in Berlin statt. Weitere Infos dazu folgen hier auf unserer Website.

Weiter lesen jetzt: www.weiterschreiben.jetzt

Gefördert wird Weiter Schreiben von dem Hauptstadtkulturfonds, der Schering Stiftung, dem Gunda-Werner-Institut der Heinrich-Böll-Stiftung und dem Goethe-Institut.